Würgereiz beim Zahnarzt: Ursachen und was wirklich hilft

Würgereiz beim Zahnarzt: Was tun? Tipps & Lösungen

Dr. Christina Dickel
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Ein starker Würgereiz beim Zahnarzt ist keine Einbildung und kein Zeichen mangelnder Selbstbeherrschung. Er ist ein Schutzreflex, der bei manchen Menschen besonders früh anspringt, und Angst verstärkt ihn zusätzlich. Was hilft: ruhig durch die Nase atmen, etwas aufrechter sitzen, die Zunge locker lassen, kurze Behandlungsabschnitte mit Pausen und, wo möglich, ein digitaler Scan statt eines Abdrucklöffels. Bei sehr starkem Würgereiz kann Lachgas den Reflex spürbar dämpfen, und für umfangreiche Behandlungen gibt es Dämmerschlaf oder Vollnarkose. Hier erklären wir, woher der Würgereiz kommt, was Sie selbst tun können und was wir in der Praxis dagegen tun.

SituationWas helfen kann
Würgen beim Abdruckdigitaler Intraoralscan statt Abdruckmasse, kleiner Löffel, schnell härtendes Material
Würgen bei Behandlungen hinten im Mundaufrechtere Position, kurze Abschnitte, Absaugen vorne statt hinten, Pausen
Würgen schon beim Röntgen oder SpiegelAblenkung, Nasenatmung, Oberflächenbetäubung am Gaumen
Würgereiz mit großer AngstLachgas
Umfangreiche Behandlung trotz starkem WürgereizDämmerschlaf oder Vollnarkose
Würgen durch die eigene Prothesegaumenfreie Versorgung, z. B. auf Implantaten

Woher kommt der Würgereiz?

Der Würgereflex schützt die Atemwege. Wenn etwas den hinteren Teil der Zunge, den weichen Gaumen oder die Rachenwand berührt, zieht sich die Muskulatur im Rachen zusammen, damit nichts in die Luftröhre gelangt. Das ist sinnvoll, beim Zahnarzt aber hinderlich, denn Spiegel, Absauger, Abdrucklöffel oder Röntgenfilme kommen genau in diese Bereiche.

Wie leicht der Reflex anspringt, ist von Mensch zu Mensch sehr verschieden. Bei manchen reicht ein Spiegel am letzten Backenzahn, andere merken selbst beim Abdruck kaum etwas. Mehrere Faktoren spielen zusammen:

  • Körperliche Empfindlichkeit. Manche Menschen haben einfach einen empfindlicheren Rachen.
  • Angst und Anspannung. Wer angespannt ist, würgt schneller. Das ist einer der Gründe, warum der Würgereiz beim Zahnarzt oft stärker ist als beim Zähneputzen zu Hause.
  • Frühere Erfahrungen. Wer einmal beim Abdruck heftig würgen musste, erwartet es beim nächsten Mal. Diese Erwartung allein kann den Reflex auslösen, manchmal schon im Wartezimmer.
  • Verstopfte Nase. Wer nicht gut durch die Nase atmen kann, atmet durch den Mund, und dann reizt jedes Instrument zusätzlich.
  • Gerüche und Geschmack. Abdruckmasse, Desinfektionsmittel oder Flüssigkeiten im Mund können den Reflex verstärken.
  • Was Sie selbst tun können

    Vor dem Termin

  • Sagen Sie es uns. Am besten schon bei der Terminvereinbarung. Dann planen wir mehr Zeit ein, wählen die Behandlungsreihenfolge passend und haben Hilfsmittel bereit.
  • Nicht direkt vorher essen. Ein leichter, nicht zu voller Magen ist besser als ein voller. Komplett nüchtern sollten Sie aber nur kommen, wenn eine Sedierung geplant ist.
  • Nase frei machen. Bei Schnupfen kann ein abschwellendes Nasenspray kurz vor dem Termin die Nasenatmung erleichtern. Bei einer starken Erkältung verschieben Sie einen geplanten Termin lieber.
  • Zu Hause üben. Manche Patienten gewöhnen sich schrittweise an Berührungen weiter hinten im Mund, etwa indem sie die Zahnbürste jeden Tag ein kleines Stück weiter nach hinten auf die Zunge legen. Das braucht Geduld, kann aber über Wochen tatsächlich helfen.
  • Während der Behandlung

  • Durch die Nase atmen. Ruhig und gleichmäßig, mit etwas längerem Ausatmen. Das ist der wichtigste einzelne Tipp.
  • Die Zunge locker lassen. Viele drücken die Zunge unbewusst nach hinten oben. Wenn sie entspannt am Mundboden liegt, gibt sie den Rachen frei.
  • Etwas aufrechter sitzen. Im flachen Liegen läuft Speichel nach hinten. Sagen Sie uns, wenn Sie lieber etwas aufrechter sitzen möchten.
  • Ablenken. Manche summen innerlich, zählen, konzentrieren sich auf ihre Füße oder heben ein Bein leicht an. Was ablenkt, ist individuell. Probieren Sie aus, was Ihnen hilft.
  • Pausen einfordern. Mit dem vereinbarten Stopp-Zeichen können Sie jederzeit eine Pause machen. Kurz aufrichten, durchatmen, weiter.
  • Über weitere Hausmittel, etwa etwas Salz auf der Zungenspitze oder Druck auf bestimmte Akupressurpunkte, berichten manche Patienten Gutes. Die wissenschaftliche Grundlage dafür ist dünn. Schaden tun sie nicht, und wenn es Ihnen hilft, ist das ein Gewinn.

    Was wir in der Praxis dagegen tun

    Digitaler Scan statt Abdrucklöffel

    Der klassische Abdruck mit einem großen Löffel voller Abdruckmasse ist für viele der schlimmste Moment. Dank unseres CEREC-Systems können wir viele Abdrücke stattdessen mit einem digitalen Intraoralscanner machen. Ein kleiner Scanner wird über die Zähne geführt, Abschnitt für Abschnitt, mit Pausen, wann immer Sie möchten. Es gibt keine Masse, die nach hinten fließt, und keinen Löffel, der minutenlang im Mund bleibt. Für Kronen, Inlays und Teilkronen entsteht so oft sogar die fertige Versorgung in einer einzigen Sitzung.

    Für manche Behandlungen, etwa bestimmte Prothesen, ist ein klassischer Abdruck weiterhin nötig. Dann verwenden wir einen möglichst kleinen Löffel, ein schnell härtendes Material und eine aufrechte Sitzposition.

    Kurze Abschnitte und die richtige Reihenfolge

    Wir beginnen vorne, wo der Reflex selten anspringt, und arbeiten uns langsam nach hinten. Instrumente bleiben so kurz wie möglich im Mund. Den Absauger halten wir weiter vorne, und wir arbeiten mit Watterollen statt mit großen Abdeckungen, wenn es die Behandlung erlaubt.

    Oberflächenbetäubung

    Ein Betäubungsspray oder -gel auf dem weichen Gaumen oder dem hinteren Zungenrand kann die Empfindlichkeit für die Dauer eines Abdrucks oder einer kurzen Behandlung herabsetzen. Bei vielen reicht das schon.

    Lachgas

    Wenn der Würgereiz mit Angst zusammenhängt, und das ist häufig so, hilft die Lachgas-Sedierung oft erstaunlich gut. Lachgas löst Anspannung, und mit der Anspannung lässt meist auch der Würgereflex nach. Sie bleiben wach und ansprechbar, und weil Sie durch die Nase atmen, unterstützt die Maske gleichzeitig die richtige Atemtechnik. Nach kurzer Erholung können Sie die Praxis wieder allein verlassen.

    Dämmerschlaf und Vollnarkose

    Bei sehr starkem Würgereiz, der jede Behandlung im Wachzustand unmöglich macht, oder wenn viel auf einmal behandelt werden muss, kommen Dämmerschlaf oder Vollnarkose in Frage. Beide führt bei uns ein Facharzt für Anästhesie durch. Welche der drei Stufen zu Ihnen passt, erklärt unser Beitrag Lachgas, Dämmerschlaf oder Vollnarkose, alles zum Narkosetag lesen Sie im Ratgeber Vollnarkose beim Zahnarzt.

    Würgereiz durch die eigene Prothese

    Ein Sonderfall sind Menschen, die nicht nur beim Zahnarzt würgen, sondern täglich: wegen ihrer Oberkieferprothese. Eine klassische Vollprothese im Oberkiefer bedeckt den Gaumen bis weit nach hinten, denn diese Fläche sorgt für den Halt. Genau dort sitzt aber bei vielen der Würgereflex.

    Dafür gibt es Lösungen. Eine Prothese, die auf Implantaten verankert ist, braucht den Gaumen nicht mehr für den Halt und kann deshalb gaumenfrei gestaltet werden. Wer überlegt, ob das für ihn in Frage kommt, findet erste Informationen bei unseren Zahnimplantaten und zum Zahnersatz. Ob es bei Ihnen möglich ist, hängt vor allem vom Kieferknochen ab und lässt sich nur nach einer Untersuchung beurteilen.

    Wenn Würgereiz und Angst zusammenkommen

    Bei vielen Patienten ist der Würgereiz nicht das einzige Problem, sondern Teil einer größeren Angst vor dem Zahnarzt. Manche meiden deshalb über Jahre jede Behandlung, was die Situation verschärft: Je mehr zu tun ist, desto länger und unangenehmer werden die Termine. Wie der Neuanfang nach langer Pause gelingt, beschreiben wir im Beitrag Nach Jahren wieder zum Zahnarzt. Hier lohnt es sich, beides gemeinsam anzugehen. Was gegen die Angst selbst hilft, lesen Sie im Ratgeber Angst vorm Zahnarzt überwinden. Wenn die Spritze Ihnen zusätzlich Sorgen macht, finden Sie Hilfe im Beitrag Angst vor der Spritze beim Zahnarzt.

    Häufige Fragen

    Warum muss ich beim Zahnarzt würgen, beim Zähneputzen aber nicht?

    Beim Zähneputzen haben Sie die Kontrolle, Sie wissen genau, wohin die Bürste geht, und Sie sind entspannt. Beim Zahnarzt liegen Sie, jemand anders bestimmt die Bewegungen, und oft ist Anspannung im Spiel. Das alles senkt die Schwelle, ab der der Reflex auslöst.

    Was hilft am schnellsten gegen Würgereiz beim Abdruck?

    Ruhige Nasenatmung, eine aufrechtere Sitzposition und ein kleiner Löffel mit schnell härtendem Material. Am elegantesten ist ein digitaler Scan, bei dem gar keine Abdruckmasse nötig ist.

    Kann man den Würgereiz abtrainieren?

    Zum Teil ja. Wer zu Hause über Wochen Berührungen weiter hinten im Mund übt, gewöhnt sich oft daran. Auch jede Behandlung, die ohne Würgen gelingt, schwächt die Erwartung ab. Bei sehr starkem Würgereflex reicht Training allein aber selten.

    Hilft Lachgas wirklich gegen Würgereiz?

    Bei vielen Patienten ja, besonders wenn Angst und Anspannung den Reflex verstärken. Lachgas entspannt, und mit der Anspannung lässt meist auch der Würgereiz nach. Eine Garantie gibt es nicht, aber einen Versuch ist es oft wert.

    Kann ich mit starkem Würgereiz Implantate bekommen?

    Ja. Für die Implantation selbst kommen bei Bedarf Lachgas, Dämmerschlaf oder Vollnarkose in Frage. Die Abdrücke für die Krone lassen sich in vielen Fällen digital machen. Und für Prothesenträger kann ein Implantat sogar die Lösung des Würgeproblems sein, weil die Prothese dann gaumenfrei gestaltet werden kann.

    Ist ein starker Würgereiz ein Grund für eine Vollnarkose auf Kassenkosten?

    Allein in der Regel nicht. Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt eine Vollnarkose nur in bestimmten Fällen, etwa bei einer ärztlich diagnostizierten Zahnbehandlungsphobie oder umfangreichen chirurgischen Eingriffen. Was in Ihrem Fall gilt, besprechen wir vorab und halten es in einem Heil- und Kostenplan fest.

    Beratung in München-Oberföhring

    Ein starker Würgereiz ist für uns kein Problem, sondern eine Information, mit der wir die Behandlung planen. In unserer Praxis im Münchner Nordosten arbeiten wir mit digitalem Scan, kurzen Behandlungsabschnitten, Lachgas und, wenn nötig, Dämmerschlaf oder Vollnarkose mit Facharzt für Anästhesie. Wie wir ängstliche und empfindliche Patienten insgesamt begleiten, lesen Sie auf der Seite Zahnarzt für Angstpatienten in München. Termin vereinbaren

    Dr. Christina Dickel, Zahnärztin in München-Oberföhring

    Über den Autor

    CD

    Dr. Christina Dickel

    Zahnärztin mit über 15 Jahren Erfahrung in moderner Zahnmedizin

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