Angst vor der Spritze beim Zahnarzt: Was wirklich hilft

Angst vor der Spritze beim Zahnarzt: Was hilft?

Dr. Christina Dickel
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Angst vor der Spritze beim Zahnarzt ist häufig, und sie ist gut behandelbar. Was am meisten hilft: die Angst vorher offen ansprechen, die Einstichstelle mit einem Betäubungsgel unempfindlich machen lassen, langsam injizieren lassen und im Liegen bleiben. Wer bei Spritzen schon einmal ohnmächtig geworden ist, kann mit einer einfachen Muskelanspannungs-Technik gegensteuern. Reicht das nicht, gibt es Lachgas, das die Spritze fast bedeutungslos macht, und für schwere Fälle die Behandlung im Dämmerschlaf oder in Vollnarkose. Hier erklären wir, woher die Angst kommt, was beim Spritzen wirklich passiert und welche Möglichkeiten Sie haben.

Ihr ProblemWas helfen kann
Angst vor dem EinstichBetäubungsgel vorab, dünne Nadel, langsames Spritzen, Ablenkung
Ohnmacht oder Schwindel bei Spritzenim Liegen bleiben, Anspannungs-Technik, vorher essen und trinken
Angst, dass die Betäubung nicht wirktWirkung testen lassen, bei Entzündung andere Technik oder Nachspritzen
Angst vor dem tauben GefühlAblauf erklären lassen, kleinere Betäubung bei einzelnen Zähnen
Panik schon beim Anblick der SpritzeSpritze außer Sicht, Lachgas vorab
Spritze unvorstellbarDämmerschlaf oder Vollnarkose

Warum gerade die Spritze?

Viele Angstpatienten sagen: „Die Behandlung wäre okay, aber die Spritze nicht." Dafür gibt es nachvollziehbare Gründe:

  • Frühere Erfahrungen. Wer als Kind eine schmerzhafte Spritze erlebt hat, verbindet den Anblick der Nadel oft jahrzehntelang mit Schmerz.
  • Kontrollverlust. Sie liegen, der Mund ist offen, und jemand nähert sich mit einer Nadel Ihrem Gesicht. Für das Gehirn ist das eine Bedrohung, egal wie harmlos der Eingriff objektiv ist.
  • Die Angst vor der Wirkung. Manche fürchten weniger den Einstich als das, was danach kommt: das taube Gefühl, das Herzklopfen, die Sorge, nicht richtig schlucken zu können.
  • Eine echte Spritzenphobie. Bei einem Teil der Betroffenen handelt es sich um eine eigenständige Angststörung gegenüber Spritzen, Blut und Verletzungen. Typisch ist dabei ein Kreislaufabfall bis hin zur Ohnmacht.
  • Wichtig ist der Unterschied, denn je nachdem, was hinter Ihrer Angst steckt, helfen andere Dinge.

    Was beim Spritzen wirklich passiert

    Bei der örtlichen Betäubung (Lokalanästhesie) wird ein Betäubungsmittel, meist Articain, in die Nähe des Nervs gespritzt, der den Zahn versorgt. Je nach Zahn geschieht das direkt neben dem Zahn ins Zahnfleisch (Infiltrationsanästhesie) oder weiter hinten im Unterkiefer, wo der Nerv in den Knochen eintritt (Leitungsanästhesie).

    Was viele überrascht: Spürbar ist vor allem der erste Moment. Die Nadeln sind heute sehr dünn, und der Einstich selbst ist kurz. Unangenehmer ist oft der Druck, wenn die Flüssigkeit ins Gewebe läuft. Genau deshalb ist langsames Injizieren einer der wirksamsten Schritte überhaupt: Je langsamer das Mittel einfließt, desto weniger Druck und Brennen entstehen.

    Nach wenigen Minuten setzt die Betäubung ein. Lippe, Zunge oder Wange fühlen sich dick und taub an, obwohl sie von außen ganz normal aussehen. Die Taubheit hält je nach Mittel und Stelle meist zwei bis vier Stunden an.

    Was wir gegen den Einstich tun

    Oberflächenbetäubung vorab

    Bevor die Nadel das Zahnfleisch berührt, tragen wir ein Betäubungsgel oder -spray auf die Einstichstelle auf. Nach ein bis zwei Minuten ist die Schleimhaut an dieser Stelle unempfindlich. Den Einstich spüren viele danach nur noch als leichten Druck.

    Langsam und Schritt für Schritt

    Wir spritzen langsam und geben zuerst nur eine kleine Menge, die die Stelle für den Rest der Injektion betäubt. Bei Bedarf sagen wir Ihnen vorher, was als Nächstes kommt, oder schweigen bewusst, wenn Sie lieber nichts hören möchten. Beides ist in Ordnung.

    Die Spritze nicht sehen müssen

    Für viele ist der Anblick schlimmer als der Einstich. Wir reichen die Spritze außerhalb Ihres Blickfelds an. Sie können die Augen schließen, eine Sonnenbrille tragen oder über Kopfhörer Musik hören.

    Kleinere Betäubung, wo möglich

    Bei einzelnen Zähnen lässt sich die Betäubung manchmal auf einen kleineren Bereich begrenzen, etwa direkt am Zahn statt über den ganzen Nervenast. Dann ist auch das taube Gefühl danach kleiner. Ob das bei Ihrem Zahn möglich ist, hängt von seiner Lage und von der Behandlung ab.

    Moderne Injektionstechniken

    Es gibt computergesteuerte Injektionssysteme, die das Betäubungsmittel mit gleichmäßig niedrigem Druck abgeben, und weitere Spezialtechniken. Sie können für einzelne Patienten hilfreich sein. Den größten Unterschied machen aber im Alltag die einfachen Dinge: Gel, dünne Nadel, langsames Tempo und eine Zahnärztin, die sich Zeit nimmt.

    Wenn Ihnen bei Spritzen schwindelig wird

    Wer bei Blutabnahmen oder Spritzen schon einmal ohnmächtig geworden oder kurz davor war, kennt den Ablauf: Erst steigen Puls und Blutdruck vor Aufregung, dann fallen sie plötzlich ab. Das nennt man eine vasovagale Reaktion. Sie ist unangenehm, aber in aller Regel harmlos.

    Was dagegen hilft:

  • Liegen statt sitzen. Auf dem Behandlungsstuhl liegen Sie ohnehin. Sagen Sie uns Bescheid, dann bleiben Sie auch nach der Spritze noch einen Moment liegen, bevor wir Sie aufrichten.
  • Vorher essen und trinken. Ein leerer Magen und zu wenig Flüssigkeit machen einen Kreislaufabfall wahrscheinlicher. Kommen Sie nicht nüchtern, es sei denn, eine Sedierung ist geplant.
  • Die Anspannungs-Technik. Psychologen haben für Menschen, die bei Spritzen und Blut ohnmächtig werden, eine einfache Methode entwickelt: Sie spannen Arme, Beine und Bauch für etwa 15 Sekunden kräftig an, lassen locker, ohne ganz zu entspannen, und wiederholen das einige Male. Das hält den Blutdruck oben. Am besten üben Sie es ein paar Tage vorher zu Hause.
  • Ruhig weiteratmen. Viele halten bei der Spritze unbewusst die Luft an. Langsames Ausatmen beruhigt den Kreislauf.
  • Wenn Sie wissen, dass Sie zur Ohnmacht neigen, sagen Sie es uns vorher. Wir planen dann mehr Zeit ein und sind vorbereitet.

    „Was, wenn die Betäubung nicht wirkt?"

    Diese Sorge ist berechtigt, denn wer einmal trotz Spritze Schmerzen hatte, vergisst das nicht. Es gibt dafür meist eine klare Ursache:

  • Entzündung. In stark entzündetem Gewebe, etwa bei einem eitrigen Zahn, wirkt das Betäubungsmittel schlechter. Dann helfen eine andere Injektionsstelle, eine zusätzliche Betäubung direkt am Zahn oder manchmal zuerst eine Behandlung der Entzündung.
  • Anatomie. Nerven verlaufen nicht bei jedem Menschen gleich. Gerade im Unterkiefer braucht es gelegentlich eine zweite Injektion.
  • Zu früh angefangen. Die Betäubung braucht einige Minuten, bis sie voll wirkt.
  • Bei uns gilt: Bevor wir behandeln, testen wir, ob der Zahn wirklich taub ist. Und Sie haben ein vereinbartes Stopp-Zeichen. Wenn Sie etwas spüren, heben Sie die Hand, und wir hören sofort auf und betäuben nach. Niemand muss bei uns „die Zähne zusammenbeißen".

    Wenn die Spritze trotzdem zu viel ist

    Lachgas vor der Spritze

    Für viele Patienten mit Spritzenangst ist Lachgas die eleganteste Lösung. Sie atmen über eine Nasenmaske ein, nach wenigen Minuten werden Sie entspannt und gelassen, und erst dann setzen wir die Betäubung. Die meisten bemerken den Einstich kaum noch oder er ist ihnen schlicht egal. Sie bleiben wach, können selbst nach Hause gehen und sind schnell wieder alltagstauglich.

    Dämmerschlaf oder Vollnarkose

    Bei einer ausgeprägten Spritzenphobie reicht Lachgas manchmal nicht. Im Dämmerschlaf oder in Vollnarkose bekommen Sie die örtliche Betäubung erst, wenn Sie bereits tief entspannt sind oder schlafen. Einen kleinen Venenzugang braucht es für beide Verfahren allerdings. Den legt der Anästhesist, wenn gewünscht, nach einer Betäubungscreme auf dem Handrücken. Wie sich die drei Verfahren unterscheiden, lesen Sie im Beitrag Lachgas, Dämmerschlaf oder Vollnarkose.

    Ohne Spritze behandeln?

    Für einige kleine Eingriffe reicht eine Oberflächenbetäubung oder gar keine Betäubung, zum Beispiel für eine professionelle Zahnreinigung oder sehr kleine, oberflächliche Füllungen. Für Wurzelbehandlungen, Zahnentfernungen oder tiefe Füllungen ist eine echte Betäubung dagegen unverzichtbar. Wir sagen Ihnen ehrlich, wo die Grenze liegt.

    Wenn die Angst sehr groß ist

    Wenn Sie wegen der Spritze seit Jahren nicht beim Zahnarzt waren, steckt oft eine Spritzenphobie dahinter. Sie lässt sich mit Verhaltenstherapie gut behandeln, häufig schon in wenigen Sitzungen, in denen Sie sich schrittweise und kontrolliert an die Situation gewöhnen. Das ist kein Entweder-oder: Dringende Zahnbehandlungen können wir in Sedierung durchführen, während Sie parallel an der Angst selbst arbeiten. Mehr zu Ursachen und Selbsthilfe finden Sie im Ratgeber Angst vorm Zahnarzt überwinden; wie der Wiedereinstieg nach langer Pause abläuft, im Beitrag Nach Jahren wieder zum Zahnarzt.

    Häufige Fragen

    Tut die Spritze beim Zahnarzt weh?

    Mit Betäubungsgel vorab, einer dünnen Nadel und langsamem Spritzen empfinden die meisten Patienten nur einen kurzen Pieks und etwas Druck. Unangenehmer als der Einstich ist oft die Erwartung davor.

    Kann ich vor der Spritze ein Beruhigungsmittel nehmen?

    Nehmen Sie nichts auf eigene Faust. Beruhigungstabletten wirken unterschiedlich lange, beeinträchtigen die Fahrtüchtigkeit und vertragen sich nicht mit jeder Sedierung. Sprechen Sie uns an, dann finden wir gemeinsam die passende Lösung, häufig ist das Lachgas.

    Wie lange bin ich nach der Spritze taub?

    Meist zwei bis vier Stunden, je nach Mittel und Stelle. Essen Sie in dieser Zeit nichts Heißes und kauen Sie vorsichtig, damit Sie sich nicht auf Lippe oder Wange beißen.

    Ist eine Allergie gegen die Betäubung möglich?

    Echte Allergien gegen moderne Lokalanästhetika sind sehr selten. Häufiger sind Herzklopfen durch den Zusatz Adrenalin oder eine Kreislaufreaktion aus Aufregung. Wenn Sie früher eine Reaktion hatten, sagen Sie es uns. Es gibt Mittel ohne Adrenalin, und bei Bedarf lässt sich eine Allergie vorab ärztlich abklären.

    Darf ich in der Schwangerschaft eine Spritze bekommen?

    Ja. Die örtliche Betäubung gilt in der Schwangerschaft als sicher und ist einer unbehandelten Entzündung klar vorzuziehen. Wir wählen Mittel und Dosis entsprechend aus. Lachgas setzen wir im ersten Schwangerschaftsdrittel dagegen nicht ein.

    Was mache ich, wenn ich während der Spritze Panik bekomme?

    Heben Sie die Hand. Wir hören sofort auf, ziehen die Nadel zurück und machen erst weiter, wenn Sie bereit sind. Dieses Stopp-Zeichen vereinbaren wir vor jeder Behandlung.

    Ihre Praxis für Angstpatienten in München-Oberföhring

    Spritzenangst begegnet uns jeden Tag, und niemand muss sich dafür rechtfertigen. In unserer Praxis im Münchner Nordosten nehmen wir uns Zeit für einen Kennenlerntermin ohne Behandlung, vereinbaren ein Stopp-Zeichen und bieten Lachgas, Dämmerschlaf und Vollnarkose an. Wie wir Angstpatienten insgesamt begleiten, lesen Sie auf der Seite Zahnarzt für Angstpatienten in München. Wenn zusätzlich ein starker Würgereiz dazukommt, hilft Ihnen unser Beitrag Würgereiz beim Zahnarzt. Termin vereinbaren

    Dr. Christina Dickel, Zahnärztin in München-Oberföhring

    Über den Autor

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    Dr. Christina Dickel

    Zahnärztin mit über 15 Jahren Erfahrung in moderner Zahnmedizin

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