Sofortimplantat: Implantat direkt nach dem Zahnziehen – wann es geht

Sofortimplantat: Voraussetzungen, Ablauf & Risiken

Dr. Christina Dickel
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Inhaltsverzeichnis
  1. Was ist ein Sofortimplantat?
  2. Sofortimplantation, Sofortversorgung, Sofortbelastung: drei verschiedene Dinge
  3. Voraussetzungen: Wann ist eine Sofortimplantation möglich?
  4. Vorteile des Sofortimplantats
  5. Risiken und Nachteile
  6. Sofortimplantation, Früh- oder Spätimplantation: was passt wann?
  7. Ablauf einer Sofortimplantation
  8. Nach dem Eingriff
  9. Sofortimplantat bei mehreren Zähnen und zahnlosem Kiefer
  10. Was zahlt die Krankenkasse?
  11. Häufige Fragen
  12. Wie lange hält ein Sofortimplantat?
  13. Tut eine Sofortimplantation mehr weh als ein normales Implantat?
  14. Kann ich mit dem Sofortimplantat sofort kauen?
  15. Geht ein Sofortimplantat auch bei einer Entzündung?
  16. Was passiert, wenn das Implantat nicht fest genug sitzt?
  17. Ist ein Sofortimplantat im Backenzahnbereich möglich?
  18. Beratung in München-Oberföhring
  19. Quellen

Ein Sofortimplantat wird in derselben Sitzung gesetzt, in der der Zahn gezogen wird, direkt in das frische Zahnfach. Das spart einen Eingriff und mehrere Monate Wartezeit. Möglich ist das aber nur, wenn keine größere Entzündung vorliegt, die Knochenwände um das Zahnfach weitgehend intakt sind und das Implantat sofort fest sitzt. Ob es dann auch gleich eine Krone bekommt, ist eine zweite, eigene Entscheidung.

Auf einen Blick
Was ist das?Implantat direkt nach dem Zahnziehen, in derselben Sitzung
Wichtigste Voraussetzungenkeine akute Entzündung, intakter Knochen, fester Sitz des Implantats
Vorteilein Eingriff weniger, kürzere Behandlungszeit
Wichtigstes Risikoetwas höheres Verlustrisiko, im Frontzahnbereich ästhetisches Risiko
Sofort eine Krone?nur bei ausreichender Stabilität, meist als Provisorium ohne Kaubelastung
AlternativeFrüh- oder Spätimplantation nach einigen Wochen oder Monaten

Was ist ein Sofortimplantat?

Wenn ein Zahn nicht mehr zu retten ist, gibt es verschiedene Zeitpunkte, ihn durch ein Implantat zu ersetzen. Die Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Implantologie (DGI) und der DGZMK zu Implantationszeitpunkten unterscheidet vier Varianten:

TypBezeichnungZeitpunkt nach dem ZahnziehenZustand des Kiefers
ISofortimplantationin derselben Sitzungfrisches Zahnfach
IIFrühimplantationnach etwa 4 bis 8 WochenZahnfleisch verheilt
IIIFrühimplantationnach etwa 12 bis 16 WochenKnochen teilweise verheilt
IVSpätimplantationnach mehr als 16 WochenKnochen ausgeheilt

Ein Sofortimplantat ist also Typ I. Das Implantat, eine künstliche Zahnwurzel meist aus Titan, wird unmittelbar nach dem Zahnziehen in das Zahnfach eingesetzt. Weil sich zwischen Implantat und Knochenwand oft ein kleiner Spalt ergibt, wird dieser häufig mit Knochenersatzmaterial aufgefüllt.

Die Leitlinie sagt ausdrücklich, dass es keinen generell besten Zeitpunkt gibt. Welcher passt, hängt vom einzelnen Zahn, vom Knochen, vom Zahnfleisch und von Ihrer Gesundheit ab.

Sofortimplantation, Sofortversorgung, Sofortbelastung: drei verschiedene Dinge

Die Begriffe werden oft durcheinandergeworfen, beschreiben aber unterschiedliche Schritte:

  • Sofortimplantation betrifft den Zeitpunkt der Operation: Das Implantat wird direkt nach dem Zahnziehen gesetzt.
  • Sofortversorgung heißt: Das Implantat bekommt innerhalb weniger Tage eine provisorische Krone oder Brücke. Bei einzelnen Zähnen wird diese meist so gestaltet, dass sie beim Zubeißen keinen Kontakt hat. Sie dient der Optik, nicht dem Kauen.
  • Sofortbelastung bedeutet: Der Zahnersatz wird innerhalb der ersten Woche auch beim Kauen belastet. Als frühe Belastung gilt ein Zeitraum von einer Woche bis zwei Monaten, als konventionelle Belastung eine Einheilzeit von mindestens zwei Monaten.
  • Ein Sofortimplantat kann also auch ganz klassisch einheilen, zunächst unter dem Zahnfleisch oder mit einer Abdeckung, und erst nach einigen Monaten die endgültige Krone bekommen. Umgekehrt lässt sich ein Implantat, das in verheilten Knochen gesetzt wurde, sofort belasten. Gerade bei zahnlosen Kiefern ist das gut untersucht: Mehrere Implantate, die über eine feste Brücke verbunden sind, stützen sich gegenseitig. Das ist das Prinzip von festen Zähnen an einem Tag.

    Voraussetzungen: Wann ist eine Sofortimplantation möglich?

    Ob ein Implantat sofort gesetzt werden kann, entscheidet sich zum Teil erst während des Eingriffs, nach dem schonenden Entfernen des Zahnes. Die wichtigsten Kriterien:

  • Keine akute, eitrige Entzündung. Eine Entzündung an der Wurzelspitze oder ein Abszess sind kein absolutes Ausschlusskriterium, machen den Eingriff aber deutlich kritischer. Das entzündete Gewebe muss vollständig entfernt werden, oft mit begleitender Antibiotikagabe. Bei stark eitrigen Befunden ist eine Früh- oder Spätimplantation meist sicherer.
  • Intakte Knochenwände. Besonders die dünne äußere Knochenwand, an der Lippen- oder Wangenseite, sollte erhalten sein. Fehlt sie oder ist sie sehr dünn, droht Knochen- und Zahnfleischrückgang am Implantat.
  • Primärstabilität. Das Implantat muss direkt nach dem Eindrehen fest im Knochen sitzen. Dafür braucht es genug Knochen jenseits der Wurzelspitze oder seitlich. Nach der Leitlinie soll bei ausgedehnten Knochendefekten, die das verhindern, keine Sofortimplantation erfolgen.
  • Gesundes Zahnfleisch. Eine bestehende Parodontitis wird vorher behandelt. Ein eher dickes, kräftiges Zahnfleisch ist günstiger als ein dünnes.
  • Geeignete Allgemeingesundheit. Ein schlecht eingestellter Diabetes, starkes Rauchen oder bestimmte Medikamente gegen Knochenabbau erhöhen das Risiko für jede Implantation, auch für die sofortige.
  • Grundlage der Planung ist eine dreidimensionale Röntgenaufnahme (DVT). Sie zeigt, wie viel Knochen um und unter dem Zahn vorhanden ist, und wo Nerven oder die Kieferhöhle liegen.

    Vorteile des Sofortimplantats

  • Ein Eingriff statt zwei. Zahnentfernung und Implantation finden in einer Sitzung statt, mit einer Betäubung und einer Heilungsphase.
  • Kürzere Gesamtdauer. Die Wartezeit, bis der Knochen nach dem Zahnziehen verheilt ist, entfällt.
  • Gute Orientierung. Das Zahnfach zeigt die natürliche Position des Zahnes, an der sich die Implantatposition orientiert.
  • Keine sichtbare Lücke, wenn eine provisorische Krone sofort möglich ist. Gerade im Frontzahnbereich ist das für viele ein entscheidender Punkt.
  • Ein häufig genannter Vorteil wird allerdings überschätzt: Ein Sofortimplantat verhindert nicht vollständig, dass sich der Knochen nach dem Zahnverlust umbaut. Ein Teil der äußeren Knochenwand bildet sich auch bei sofortiger Implantation zurück. Deshalb werden oft gleichzeitig Knochenersatzmaterial oder Bindegewebe eingebracht.

    Risiken und Nachteile

    Die Leitlinie hält in einer Aussage mit starkem Konsens fest: Sofortimplantate bei einzelnen Zähnen haben im Vergleich zur Früh- oder Spätimplantation eine etwas geringere Überlebensrate. Der Unterschied ist in den ausgewerteten Studien klein, aber messbar. Hinzu kommen:

  • Ästhetisches Risiko im Frontzahnbereich. Bei dünnem Zahnfleisch oder dünner Knochenwand kann sich das Zahnfleisch am Implantat zurückziehen. Dann wird der Implantatrand sichtbar oder die Krone wirkt länger als die Nachbarzähne.
  • Höhere Anforderungen an die Planung und Erfahrung. Die Leitlinie beschreibt die Sofortimplantation als komplexes Verfahren, das entsprechende klinische Erfahrung voraussetzt.
  • Entscheidung oft erst während der Operation. Zeigt sich nach dem Zahnziehen ein größerer Defekt oder sitzt das Implantat nicht fest genug, wird das Zahnfach versorgt und später implantiert. Das ist kein Fehler, sondern verantwortungsvolles Vorgehen.
  • Die allgemeinen Risiken jeder Implantation: Schwellung, Schmerzen in den ersten Tagen, selten Infektionen, Verletzung von Nachbarstrukturen oder eine ausbleibende Einheilung.
  • Sofortimplantation, Früh- oder Spätimplantation: was passt wann?

    SituationMeist sinnvoll
    Zahn bricht ab oder ist nicht erhaltbar, Knochen und Zahnfleisch gesundSofortimplantation möglich
    Frontzahn mit dünner Knochenwand oder dünnem ZahnfleischFrüh- oder Sofortimplantation mit gleichzeitigem Aufbau, genaue Abwägung
    Eitrige Entzündung, AbszessFrühimplantation nach Abheilung
    Großer Knochendefekt nach Entzündung oder ZysteSpätimplantation, oft mit Knochenaufbau
    Mehrere Zähne im ganzen Kiefer nicht erhaltbarZahnentfernung und Implantation in einer Sitzung, häufig mit fester Brücke am selben Tag
    Junge Patienten im Wachstumkeine Implantation, bis das Kieferwachstum abgeschlossen ist

    Welche Zähne wann gezogen werden müssen, lesen Sie im Beitrag Wann muss ein Zahn gezogen werden?

    Ablauf einer Sofortimplantation

  • Untersuchung und 3D-Röntgen. Wir beurteilen den Zahn, das Zahnfleisch und den Knochen und klären, ob eine Sofortimplantation realistisch ist oder ob ein anderer Zeitpunkt besser passt.
  • Aufklärung und Planung. Sie erfahren, welche Varianten in Frage kommen und was passiert, wenn während des Eingriffs doch gegen ein Sofortimplantat entschieden werden muss.
  • Schonendes Zahnziehen. Der Zahn wird möglichst ohne Verletzung der Knochenwände entfernt, bei Bedarf in Teilen. Entzündetes Gewebe wird gründlich entfernt.
  • Setzen des Implantats. Das Implantat wird in der geplanten Position in den Knochen eingedreht. Lücken zum Knochen werden bei Bedarf aufgefüllt.
  • Abdeckung oder Provisorium. Je nach Stabilität bekommt das Implantat eine Einheilkappe, eine individuelle Abdeckung oder eine provisorische Krone ohne Kaukontakt.
  • Einheilung. In den folgenden Monaten verwächst das Implantat mit dem Knochen. In dieser Zeit sind Kontrolltermine wichtig.
  • Endgültige Krone. Nach der Einheilung wird die definitive Krone gefertigt und eingesetzt.
  • Der Eingriff findet in der Regel unter örtlicher Betäubung statt. Wer sehr ängstlich ist, kann ihn auch in Dämmerschlaf oder Vollnarkose durchführen lassen.

    Nach dem Eingriff

  • In den ersten Tagen kühlen und die verordneten Schmerzmittel nach Plan nehmen.
  • Keine harte Nahrung auf der Implantatseite, auch nicht mit einem Provisorium. Weiche Kost schützt das Implantat in der Einheilphase.
  • Nicht rauchen, mindestens in den ersten Wochen. Rauchen stört die Heilung messbar.
  • Die Wunde nicht mit der Zunge oder den Fingern berühren, die übrigen Zähne aber normal putzen.
  • Bei zunehmender Schwellung nach dem dritten Tag, Fieber oder Eiter melden Sie sich bitte umgehend.
  • Sofortimplantat bei mehreren Zähnen und zahnlosem Kiefer

    Besonders verbreitet ist die sofortige Implantation, wenn alle verbliebenen Zähne eines Kiefers nicht mehr zu halten sind. Dann werden die Zähne gezogen und in derselben Sitzung meist vier bis sechs Implantate gesetzt, teils in die Zahnfächer, teils in den Knochen dazwischen. Am selben Tag wird eine provisorische, fest verschraubte Brücke eingesetzt. Weil die Implantate über die Brücke verbunden sind, verteilen sich die Kaukräfte gut, und die Sofortbelastung ist hier gut erprobt. Das ist das Konzept hinter All-on-4. Ob es für Sie in Frage kommt, können Sie mit dem kostenlosen All-on-4-Check vorab einschätzen. Wie das ohne zusätzlichen Knochenaufbau gelingen kann, erklärt der Beitrag Feste Zähne ohne Knochenaufbau.

    Was zahlt die Krankenkasse?

    Implantate gehören in der Regel nicht zu den Leistungen der gesetzlichen Krankenkasse. Ausnahmen gibt es nur bei sehr eng gefassten medizinischen Ausnahmefällen. Den Festzuschuss für den Zahnersatz, also für Krone oder Brücke, bekommen Sie aber auch dann, wenn dieser auf einem Implantat sitzt. Er richtet sich nach dem Befund, nicht nach der gewählten Versorgung. Die Zahnentfernung selbst ist eine Kassenleistung. Wie sich Ihr Heil- und Kostenplan zusammensetzt, können Sie mit dem HKP-Erklärer nachvollziehen.

    Häufige Fragen

    Wie lange hält ein Sofortimplantat?

    Wenn es gut eingeheilt ist, unterscheidet sich ein Sofortimplantat im Alltag nicht von einem später gesetzten Implantat. Entscheidend für die Haltbarkeit sind dann Pflege, regelmäßige Kontrollen und Risikofaktoren wie Rauchen. Mehr dazu im Beitrag Wie lange halten Implantate?

    Tut eine Sofortimplantation mehr weh als ein normales Implantat?

    Meist nicht. Der Eingriff selbst findet unter örtlicher Betäubung statt. Danach sind Schmerzen und Schwellung mit denen nach einer normalen Zahnentfernung vergleichbar, weil ein zweiter Eingriff entfällt.

    Kann ich mit dem Sofortimplantat sofort kauen?

    Bei einzelnen Zähnen in der Regel nicht. Auch wenn eine provisorische Krone eingesetzt wird, ist sie meist so gestaltet, dass sie beim Zubeißen nicht belastet wird. Bei festen Brücken auf mehreren Implantaten ist weiche Kost von Anfang an möglich.

    Geht ein Sofortimplantat auch bei einer Entzündung?

    Eine leichte, chronische Entzündung schließt es nicht immer aus, wenn das entzündete Gewebe gründlich entfernt wird. Bei einem akuten Abszess oder viel Eiter ist es meist sicherer, einige Wochen zu warten. Diese Entscheidung wird individuell getroffen.

    Was passiert, wenn das Implantat nicht fest genug sitzt?

    Dann wird das Implantat entweder ohne Belastung eingeheilt oder gar nicht sofort gesetzt. Das Zahnfach wird in diesem Fall versorgt, damit möglichst viel Knochen erhalten bleibt, und das Implantat folgt nach einigen Wochen oder Monaten.

    Ist ein Sofortimplantat im Backenzahnbereich möglich?

    Ja, aber Backenzähne haben mehrere Wurzeln und ein breites Zahnfach. Das Implantat muss dann im Knochen zwischen den Wurzelfächern Halt finden. Ob das gelingt, zeigt das 3D-Röntgenbild.

    Beratung in München-Oberföhring

    Ob ein Sofortimplantat in Ihrem Fall sinnvoll ist oder ob ein späterer Zeitpunkt sicherer wäre, besprechen wir anhand von Untersuchung und Röntgenbild offen mit Ihnen. Dr. Christina Dickel setzt Implantate selbst in unserer Praxis an der Oberföhringer Straße, auch als feste Zähne an einem Tag. Mehr zum Ablauf finden Sie auf unserer Seite zu Zahnimplantaten in München. Termine vereinbaren Sie online über Doctolib oder telefonisch.

    Quellen

  • DGI/DGZMK: S2k-Leitlinie Implantationszeitpunkte (AWMF-Registernummer 083-040). https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/083-040
  • Zahnärztliche Mitteilungen: Der richtige Implantationszeitpunkt (zm 4/2024). https://www.zm-online.de/artikel/2024/zm-2024-04/der-richtige-implantationszeitpunkt
  • ZWP online: Schneller ans Ziel – klinische Aspekte von Sofortversorgungen. https://www.zwp-online.info/fachgebiete/implantologie/sofortimplantation/schneller-ans-ziel-klinische-aspekte-von-sofortversorgungen
  • Dr. med. dent. Christina Dickel

    Dr. med. dent. Christina Dickel

    Zahnärztin und Inhaberin der Praxis in München-Oberföhring. Sie setzt Implantate selbst, versorgt zahnlose Kiefer mit festen Zähnen an einem Tag und behandelt Angstpatienten auf Wunsch mit Lachgas, im Dämmerschlaf oder in Vollnarkose.

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