All-on-4 oder Teleskopprothese? Die Kurzantwort: All-on-4 ist eine festsitzende Brücke, die Sie nicht herausnehmen, mit dem Gefühl fester eigener Zähne und freiem Gaumen. Eine Teleskopprothese ist herausnehmbar, sitzt aber sehr sicher und lässt sich außerhalb des Mundes einfach reinigen. Dazwischen gibt es eine dritte Möglichkeit, die oft übersehen wird: die Deckprothese auf zwei bis vier Implantaten mit Druckknöpfen (Locatoren) oder Steg. Welche Lösung besser passt, hängt weniger davon ab, was „moderner" ist, als von Ihrem Knochen, Ihrer Fingerfertigkeit bei der Pflege, Ihren Erwartungen an Komfort und Ihrem Budget. Dieser Vergleich hilft bei der Entscheidung.
| All-on-4 (fest) | Teleskopprothese auf Implantaten | Deckprothese mit Locator oder Steg | |
|---|---|---|---|
| Herausnehmbar | nein, nur von der Zahnärztin | ja | ja |
| Typische Implantatzahl | 4 (bis 6) pro Kiefer | meist 4, im Oberkiefer oft 4 bis 6 | Unterkiefer ab 2, Oberkiefer meist 4 |
| Gaumen im Oberkiefer | frei | meist frei | je nach Implantatzahl mit oder ohne Gaumenplatte |
| Gefühl beim Kauen | wie feste Zähne | sehr sicher, leichte Prothesen-Empfindung | sicherer als Vollprothese, etwas Bewegung möglich |
| Reinigung | im Mund, aufwendig | außerhalb des Mundes, einfach | außerhalb des Mundes, einfach |
| Sofortversorgung am OP-Tag | häufig möglich | eher nicht üblich | im Einzelfall möglich |
| Reparatur | Brücke wird von der Praxis abgenommen | meist einfach | meist einfach, Verschleißteile wechselbar |
| Aufwand und Kosten | am höchsten | hoch | am niedrigsten der drei |
Die drei Lösungen kurz erklärt
All-on-4: feste Zähne auf vier Implantaten
Vier Implantate pro Kiefer, die hinteren schräg gesetzt, tragen eine verschraubte Brücke. Sie bleibt dauerhaft im Mund und wird nur in der Praxis zur Kontrolle und Reinigung abgenommen. Oft ist am Tag der Operation schon eine provisorische Brücke möglich. Details zum Ablauf finden Sie auf der Seite Feste Zähne an einem Tag, ehrliche Vor- und Nachteile im Beitrag All-on-4 Erfahrungen und Nachteile.
Teleskopprothese: herausnehmbar, aber sehr fest
Auf den Implantaten (oder auf eigenen, erhaltungswürdigen Zähnen) sitzen sogenannte Primärkronen. Die Prothese enthält passende Sekundärkronen, die wie ein Teleskop darübergleiten und durch Reibung festsitzen. Die Prothese hält dadurch sehr stabil, lässt sich aber zum Reinigen herausnehmen. Auf Implantaten werden dafür in der Regel mindestens vier Implantate geplant.
Deckprothese mit Locatoren oder Steg: die Mittelklasse
Eine Vollprothese wird auf wenigen Implantaten verankert, entweder mit Druckknopf-Elementen (Locatoren) oder mit einem Steg, der die Implantate verbindet und auf dem die Prothese einrastet. Im Unterkiefer gilt eine Deckprothese auf zwei Implantaten in Fachkreisen seit dem sogenannten McGill-Konsens (2002) als sinnvoller Mindeststandard für zahnlose Patienten, weil sie den Halt gegenüber einer klassischen Vollprothese deutlich verbessert. Im Oberkiefer sind meist vier Implantate nötig, damit auf die Gaumenplatte verzichtet werden kann.
Der entscheidende Unterschied: fest oder herausnehmbar
Bei dieser Frage geht es nicht nur um Technik, sondern um Ihren Alltag:
Viele Patienten haben dazu eine klare Vorstellung. Wer jahrelang unter einer wackelnden Prothese gelitten hat, wünscht sich häufig ausdrücklich etwas Festes. Andere legen mehr Wert darauf, die Pflege selbst gut im Griff zu haben, besonders mit Blick auf das Alter.
Vergleich nach den Punkten, die im Alltag zählen
Kaukomfort und Sicherheit
All-on-4 kommt dem Gefühl eigener Zähne am nächsten. Eine gut gemachte Teleskopprothese sitzt ebenfalls sehr fest, bewegt sich beim Kauen kaum und wird von vielen Trägern als sehr komfortabel beschrieben. Eine Deckprothese auf zwei Locatoren hält deutlich besser als eine Vollprothese, kann sich beim kräftigen Abbeißen aber etwas bewegen.
Gaumen, Geschmack und Würgereiz
Im Oberkiefer ist die Gaumenplatte für viele Prothesenträger das größte Problem: Sie dämpft den Geschmack, kann Würgereiz auslösen und stört beim Sprechen. Sowohl All-on-4 als auch eine Teleskopprothese auf ausreichend Implantaten kommen ohne Gaumenplatte aus. Bei einer Deckprothese im Oberkiefer hängt das von der Zahl und Position der Implantate ab. Mehr zum Thema finden Sie im Beitrag Würgereiz beim Zahnarzt.
Aussprache
Feste Brücken können im Oberkiefer anfangs zu einem leichten Zischen führen, wenn zwischen Brücke und Kiefer ein Luftspalt entsteht. Herausnehmbare Versorgungen können den Kieferkamm mit einem Prothesenschild abdecken, was diesen Effekt verhindert, dafür aber mehr Volumen im Mund bedeutet. Beides ist meist eine Frage der Eingewöhnung von einigen Wochen.
Lippenstütze und Optik
Wenn viel Knochen verloren gegangen ist, fällt die Oberlippe ein. Eine herausnehmbare Prothese kann diesen Volumenverlust mit einem rosafarbenen Kunststoffschild gut ausgleichen. Auch festsitzende Brücken haben oft einen zahnfleischfarbenen Anteil, sind aber in der Gestaltung eingeschränkter, weil darunter gereinigt werden muss. Bei sehr starkem Knochenabbau kann eine herausnehmbare Lösung deshalb optisch sogar Vorteile haben.
Reinigung und Pflege im Alter
Das ist der Punkt, den wir in der Beratung besonders ernst nehmen. Eine festsitzende Brücke erfordert jeden Tag Geschick mit Interdentalbürsten. Wenn das irgendwann nicht mehr gelingt, etwa bei nachlassender Sehkraft, Arthrose in den Händen oder Pflegebedürftigkeit, steigt das Risiko für Entzündungen an den Implantaten. Herausnehmbare Versorgungen lassen sich auch von Angehörigen oder Pflegekräften einfach reinigen. Eine verschraubte All-on-4-Brücke lässt sich bei Bedarf später auch in eine herausnehmbare Versorgung umbauen, wenn die Implantate dafür geeignet sind.
Knochen und Implantatzahl
All-on-4 wurde für Kiefer mit reduziertem Knochen entwickelt: Durch die schräg gesetzten hinteren Implantate lässt sich ein Knochenaufbau oft vermeiden. Für Teleskopprothesen werden die Implantate meist gerade und verteilt gesetzt, was mehr Knochen in den richtigen Bereichen voraussetzt. Bei Deckprothesen im Unterkiefer reicht häufig der Knochen im Frontbereich für zwei Implantate. Hintergründe zum Knochenabbau finden Sie im Beitrag Knochenabbau im Kiefer im Alter und auf unserer Seite Knochenaufbau für Implantate. Wann es ganz ohne Aufbau geht, erklärt der Beitrag Feste Zähne ohne Knochenaufbau.
Zeit bis zu festen Zähnen
Bei All-on-4 sind feste provisorische Zähne oft noch am Operationstag möglich, die endgültige Brücke folgt nach einigen Monaten. Bei Teleskop- und Deckprothesen heilen die Implantate in der Regel erst ein, während Sie Ihre bisherige Prothese weiter tragen. Die neue Prothese wird danach angefertigt.
Kosten und Zuschuss
Alle drei Lösungen sind implantatgetragener Zahnersatz und damit in der Regel eine andersartige Versorgung. Die Krankenkasse zahlt den Festzuschuss für Ihren Befund, die Implantate und die Mehrkosten tragen Sie selbst. Je weniger Implantate und je einfacher die Konstruktion, desto geringer ist der Eigenanteil. Die Deckprothese auf zwei Implantaten ist deshalb oft die wirtschaftlichste Verbesserung gegenüber einer Vollprothese. Wie der Zuschuss funktioniert, erklären wir im Beitrag All-on-4 und Krankenkasse.
Entscheidungshilfe: Was passt zu wem?
| Ihre Situation | Oft die bessere Wahl |
|---|---|
| Sie wünschen sich ausdrücklich feste Zähne und können gut im Mund reinigen | All-on-4 |
| Wenig Knochen im Seitenzahnbereich, Knochenaufbau soll vermieden werden | All-on-4 |
| Sie möchten feste Zähne möglichst am Tag der Operation | All-on-4 |
| Einfache Reinigung ist Ihnen wichtig, besonders mit Blick auf das Alter | Teleskopprothese oder Deckprothese |
| Starker Volumenverlust, die Oberlippe braucht Stütze | Teleskopprothese oder Deckprothese |
| Sie haben noch einige gesunde, feste eigene Zähne | Teleskopprothese, eventuell auf eigenen Zähnen und Implantaten kombiniert |
| Sie möchten mit möglichst geringem Aufwand deutlich mehr Halt im Unterkiefer | Deckprothese auf zwei Implantaten |
| Eingeschränkte Fingerfertigkeit oder Pflegebedürftigkeit absehbar | herausnehmbare Lösung |
Diese Tabelle ersetzt keine Untersuchung. Die Entscheidung trifft man am besten nach einer 3D-Aufnahme, die zeigt, wo wie viel Knochen vorhanden ist.
Wenn Sie heute eine Vollprothese tragen
Viele Patienten kommen mit einer Totalprothese, die drückt oder nicht hält, zu uns. Der erste Schritt muss nicht gleich All-on-4 sein. Manchmal reicht eine Unterfütterung oder eine neue Prothese, manchmal sind zwei Implantate im Unterkiefer die beste Investition, manchmal ist eine feste Brücke die Lösung, die das Problem dauerhaft beseitigt. Die verschiedenen Wege beschreiben wir im Beitrag Von der Prothese zu festen Zähnen. Zur klassischen Vollprothese informiert unsere Seite Totalprothesen.
Häufige Fragen
Was hält länger, All-on-4 oder eine Teleskopprothese?
Für beide Konzepte gibt es gute Langzeitdaten, und die Haltbarkeit hängt vor allem von Pflege, Nachsorge und der individuellen Ausgangslage ab. Ein pauschales „länger" lässt sich nicht seriös sagen. Wichtiger ist, welche Lösung Sie dauerhaft gut sauber halten können.
Kann ich von einer Teleskopprothese später auf feste Zähne wechseln?
Wenn genug Implantate an geeigneten Positionen vorhanden sind, ist das teilweise möglich. Häufig müssen aber zusätzliche Implantate gesetzt oder die Planung angepasst werden. Umgekehrt lässt sich eine feste Brücke bei Bedarf oft in eine herausnehmbare Versorgung umbauen.
Ist eine herausnehmbare Lösung ein Rückschritt?
Nein. Eine gut geplante Teleskop- oder Deckprothese auf Implantaten ist ein großer Fortschritt gegenüber einer schlecht haltenden Vollprothese. Für manche Patienten ist sie die bessere Wahl als eine feste Brücke.
Wie viele Implantate brauche ich im Unterkiefer mindestens?
Für eine Deckprothese mit Locatoren reichen im Unterkiefer oft zwei Implantate. Für eine Teleskopprothese oder eine feste Brücke werden in der Regel vier Implantate geplant.
Brauche ich bei All-on-4 einen Knochenaufbau?
Häufig nicht, denn die schräg gesetzten hinteren Implantate nutzen den vorhandenen Knochen besser aus. Ob das in Ihrem Fall reicht, zeigt die 3D-Diagnostik.
Kann die Operation in Narkose erfolgen?
Ja. Wir setzen Implantate in unserer Praxis selbst und führen größere Eingriffe auf Wunsch im Dämmerschlaf oder in Vollnarkose mit einem Fachanästhesisten durch. Mehr dazu auf unserer Seite für Angstpatienten.
Beratung in München-Oberföhring
Welche Lösung für Sie die richtige ist, besprechen wir in Ruhe nach einer gründlichen Untersuchung. Dr. Christina Dickel zeigt Ihnen die Möglichkeiten an Ihrem eigenen Röntgenbild, erklärt die Unterschiede im Alltag und erstellt einen Heil- und Kostenplan für die Variante, die Sie interessiert. Weitere Informationen finden Sie unter Implantologie.




