Wenn Ihr Kind Angst vor dem Zahnarzt hat, helfen vor allem drei Dinge: eine ruhige Vorbereitung zu Hause ohne Drohungen und ohne „es tut gar nicht weh", ein erster Besuch, bei dem nur geschaut und nichts behandelt wird, und eine Praxis, die nach dem Prinzip „Erklären, Zeigen, Machen" arbeitet. Die meisten Kinder verlieren ihre Angst, wenn sie den Ablauf kennen und merken, dass sie mitbestimmen dürfen. Reicht das nicht, kann Lachgas helfen. Eine Vollnarkose ist bei Kindern die Ausnahme, aber in bestimmten Fällen die schonendste Lösung. Hier lesen Sie, woher die Angst kommt, was Sie als Eltern konkret tun können und wie wir in der Praxis mit ängstlichen Kindern umgehen.
| Situation | Was typischerweise hilft |
|---|---|
| Kind ist unsicher, aber neugierig | Bilderbuch, Rollenspiel, kurzer Kennenlerntermin |
| Kind weint oder verweigert den Mund | Geduld, mehrere kurze Termine, Erklären-Zeigen-Machen |
| Deutliche Angst bei nötiger Behandlung | Lachgas-Sedierung (meist ab dem Schulalter) |
| Viele kariöse Zähne, keine Mitarbeit möglich | Behandlung in Vollnarkose mit Facharzt für Anästhesie |
| Angst nach schlechter Erfahrung | Vertrauen neu aufbauen, zuerst nur Kontrolle ohne Behandlung |
Woher die Angst bei Kindern kommt
Kinder kommen nicht mit Zahnarztangst auf die Welt. Sie entsteht meist aus einer Mischung verschiedener Einflüsse:
Ein Teil der Unsicherheit ist entwicklungsbedingt normal, besonders bei Kleinkindern in der Phase des Fremdelns. Das heißt nicht, dass sich daraus eine dauerhafte Angst entwickeln muss.
Der beste Schutz: früh und ohne Anlass
Der wirksamste Schutz gegen Zahnarztangst ist ein erster Besuch, bevor es Probleme gibt. Seit 2019 übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung zahnärztliche Früherkennungsuntersuchungen ab dem 6. Lebensmonat. Der erste Besuch ist also sinnvoll, sobald der erste Zahn da ist, und spätestens zum ersten Geburtstag.
Bei diesen frühen Terminen passiert wenig Spektakuläres: Das Kind sitzt auf dem Schoß der Mutter oder des Vaters, wir schauen kurz in den Mund, zählen die Zähne und geben Tipps zur Zahnpflege. Genau das ist der Punkt. Das Kind lernt die Praxis als einen Ort kennen, an dem nichts Unangenehmes passiert. Kinder, die von klein auf regelmäßig zur Kontrolle kommen, erleben die Praxis als Routine, und kleine Probleme werden früh erkannt, bevor sie wehtun.
Was Eltern vor dem Termin tun können
Die richtigen Worte wählen
Gut gemeinte Sätze bewirken oft das Gegenteil. „Es tut gar nicht weh" oder „Du musst keine Angst haben" bringen die Begriffe „weh" und „Angst" überhaupt erst ins Spiel. Besser sind neutrale, konkrete Beschreibungen:
| Statt … | Besser … |
|---|---|
| „Es tut nicht weh." | „Die Zahnärztin schaut, ob deine Zähne gesund sind." |
| „Keine Angst, der Bohrer ist nicht schlimm." | „Sie zählt deine Zähne und putzt sie vielleicht ein bisschen." |
| „Wenn du nicht putzt, muss der Zahnarzt bohren." | „Wir putzen, damit deine Zähne stark bleiben." |
| „Du warst so tapfer, obwohl es wehgetan hat." | „Du hast toll mitgemacht." |
Vermeiden Sie den Zahnarzt als Drohung. Wer hört „Wenn du nicht putzt, musst du zum Zahnarzt", verbindet den Termin mit Strafe.
Spielerisch vorbereiten
Die eigene Angst im Griff behalten
Wenn Sie selbst große Angst vor dem Zahnarzt haben, kann es sinnvoll sein, dass der andere Elternteil oder eine andere vertraute Person das Kind begleitet. Sprechen Sie vor dem Kind nicht über eigene schlechte Erfahrungen. Wenn Ihr Kind Sie zu eigenen Kontrollterminen begleitet, bei denen nichts Schlimmes passiert, ist das oft die beste Vorbereitung überhaupt. Wie Erwachsene ihre eigene Angst angehen können, lesen Sie im Ratgeber Angst vorm Zahnarzt überwinden.
Belohnung ja, Bestechung nein
Ein kleines Lob oder eine gemeinsame Unternehmung nach dem Termin ist eine schöne Anerkennung. Große Versprechen vorher („Wenn du brav bist, bekommst du …") signalisieren dagegen, dass etwas Schlimmes bevorsteht, für das es eine Entschädigung braucht.
Den richtigen Zeitpunkt wählen
Kleine Kinder sind vormittags meist ausgeruhter und ausgeglichener. Planen Sie keinen Termin direkt vor dem Mittagsschlaf oder nach einem anstrengenden Kita-Tag, und lassen Sie genug Zeit für die Anfahrt, damit keine Hektik entsteht.
Was in der Praxis hilft: Erklären, Zeigen, Machen
In der Kinderzahnheilkunde hat sich eine Methode bewährt, die im Englischen „Tell-Show-Do" heißt: erklären, zeigen, dann machen.
Dazu gehören einige feste Regeln:
Bei der Betäubung tragen wir vorab ein Betäubungsgel auf, damit der Einstich kaum zu spüren ist. Mehr dazu, wie wir mit Angst vor der Spritze umgehen, lesen Sie im Beitrag Angst vor der Spritze beim Zahnarzt.
Sollen Eltern mit ins Behandlungszimmer?
Das hängt vom Alter und vom Kind ab. Kleinkinder fühlen sich auf dem Schoß eines Elternteils am sichersten. Bei Kindern im Schulalter kann es dagegen helfen, wenn die Eltern im Hintergrund bleiben oder kurz im Wartezimmer warten. Manche Kinder lassen sich allein leichter auf die Zahnärztin ein. Wir besprechen das beim ersten Termin gemeinsam, und Sie können jederzeit dazukommen.
Wenn Sie dabei sind, hilft es, ruhig zu bleiben und sich zurückzunehmen. Die Zahnärztin führt das Gespräch. Wenn mehrere Erwachsene gleichzeitig auf das Kind einreden, wird es eher unruhiger.
Lachgas bei Kindern
Wenn eine Behandlung nötig ist und das Kind trotz guter Vorbereitung sehr ängstlich bleibt, kann eine Lachgas-Sedierung helfen. Das Kind atmet über eine kleine Nasenmaske ein Gemisch aus Lachgas und Sauerstoff ein und wird innerhalb weniger Minuten ruhig und entspannt. Es bleibt dabei wach, ansprechbar und kann mitmachen.
Lachgas setzt voraus, dass das Kind die Nasenmaske toleriert und durch die Nase atmen kann. Deshalb eignet es sich meist ab dem Kindergarten- oder Schulalter. Nach dem Abschalten ist das Lachgas innerhalb weniger Minuten abgeatmet. Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt Lachgas in der Regel nicht, es ist eine Privatleistung. Wie sich Lachgas, Dämmerschlaf und Vollnarkose unterscheiden, vergleichen wir im Beitrag Lachgas, Dämmerschlaf oder Vollnarkose.
Vollnarkose bei Kindern: wann sie sinnvoll ist
Eine Vollnarkose ist bei Kindern bewusst die Ausnahme. Sie kommt in Frage, wenn viele Zähne behandelt werden müssen, das Kind trotz aller Bemühungen nicht mitarbeiten kann und ein Aufschub die Zähne weiter schädigen würde. Das betrifft zum Beispiel Kinder mit ausgeprägter frühkindlicher Karies.
Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt die Narkose bei Kindern unter 12 Jahren, wenn eine Behandlung unter örtlicher Betäubung wegen fehlender Mitarbeit nicht möglich ist. Die zahnärztliche Behandlung selbst wird dabei nach den üblichen Regeln abgerechnet.
An unseren Narkosetagen führt ein Facharzt für Anästhesie die Narkose in unserer Praxis durch. Er bespricht vorab mit Ihnen den Gesundheitszustand Ihres Kindes und die Regeln zur Nüchternheit, die für Kinder je nach Alter etwas anders sind als für Erwachsene. Ziel ist, in einer Sitzung alle nötigen Behandlungen zu erledigen, damit das Kind danach schmerzfrei ist und wieder Vertrauen fassen kann. Wie ein Narkosetag abläuft, lesen Sie im Ratgeber Vollnarkose beim Zahnarzt.
Wichtig: Eine Narkose behandelt die Karies, nicht die Ursache. Danach braucht es eine gute Zahnpflege zu Hause und regelmäßige Kontrollen im Wachzustand, damit es nicht wieder so weit kommt.
Was tun nach einer schlechten Erfahrung?
Wenn Ihr Kind schon einmal einen unangenehmen Termin hatte, beginnt der Neuanfang am besten ohne Behandlung. Ein Termin, bei dem nur geschaut, gezählt und gelobt wird, ist ein wichtiger erster Schritt. Danach steigern wir langsam: zuerst eine Zahnreinigung, dann eine kleine Füllung, eventuell mit Lachgas. Jeder gute Termin überschreibt ein Stück der schlechten Erinnerung.
Wenn die Angst auch nach mehreren behutsamen Versuchen sehr stark bleibt, sich auf andere Lebensbereiche ausweitet oder das Kind schon Tage vorher schlecht schläft, kann eine kinderpsychologische Beratung sinnvoll sein.
Häufige Fragen
Ab wann sollte mein Kind zum Zahnarzt?
Ab dem ersten Zahn, also etwa ab dem 6. Lebensmonat. Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt Früherkennungsuntersuchungen ab diesem Alter. Je früher der Besuch zur Routine wird, desto geringer ist das Risiko für Angst.
Mein Kind macht den Mund nicht auf. Was nun?
Kein Druck. Wir brechen ab, loben, was geklappt hat, und vereinbaren einen neuen Termin. Bei Kleinkindern hilft es oft, wenn das Kind auf dem Schoß eines Elternteils sitzt und wir zuerst die Zähne des Kuscheltiers „untersuchen".
Soll ich meinem Kind sagen, dass es eine Spritze bekommt?
Ja, aber ohne Dramatik und kurz vorher. Wir erklären die Betäubung kindgerecht, zum Beispiel als „Schlafwasser für den Zahn". Wichtig ist, dass Sie nichts versprechen, was nicht stimmt.
Ist Lachgas für Kinder sicher?
Lachgas wird in der Kinderzahnheilkunde seit Jahrzehnten eingesetzt und gilt bei richtiger Anwendung als sehr sicher. Das Kind bleibt wach, und die Wirkung ist nach wenigen Minuten vorbei. Vorab klären wir, ob gesundheitliche Gründe dagegensprechen.
Wann zahlt die Krankenkasse eine Vollnarkose für mein Kind?
Bei Kindern unter 12 Jahren, wenn die notwendige Behandlung unter örtlicher Betäubung wegen fehlender Mitarbeit nicht möglich ist. Ob das zutrifft, beurteilen wir nach dem Versuch einer Behandlung im Wachzustand.
Sollte ich mit ins Behandlungszimmer?
Bei Kleinkindern ja. Bei älteren Kindern entscheiden wir das gemeinsam. Manche fassen allein schneller Vertrauen, andere brauchen die Hand von Mama oder Papa.
Kinderzahnheilkunde in München-Oberföhring
Wir behandeln Kinder aus Oberföhring, Bogenhausen, Johanneskirchen und dem ganzen Münchner Nordosten, mit Geduld, kurzen Terminen und ohne Druck. Mehr über unsere Behandlung von Kindern lesen Sie auf der Seite Kinderzahnheilkunde, über unseren Umgang mit Angst auf der Seite Zahnarzt für Angstpatienten in München. Termin vereinbaren
Dr. Christina Dickel, Zahnärztin in München-Oberföhring




