All-on-4 Erfahrungen und Nachteile: Was Sie vor der Entscheidung wissen sollten

All-on-4 Erfahrungen & Nachteile: Haltbarkeit, Risiken

Dr. Christina Dickel
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All-on-4 ist für viele zahnlose oder fast zahnlose Patienten eine sehr gute Lösung: feste Zähne auf vier Implantaten, meist ohne großen Knochenaufbau und mit einer provisorischen Brücke schon am Tag der Operation. Die Langzeitdaten sind ermutigend, im Unterkiefer liegen Beobachtungen über zehn Jahre und mehr vor. Es gibt aber echte Nachteile, über die Sie vorher Bescheid wissen sollten: eine anspruchsvolle Reinigung unter der Brücke, eine Eingewöhnungszeit beim Sprechen, Einschränkungen beim Essen in den ersten Monaten und das Risiko einer Periimplantitis, wenn Pflege und Nachsorge nachlassen. Hier erklären wir ehrlich, was gut funktioniert, wo die Grenzen liegen und für wen das Konzept nicht passt.

ThemaKurz gesagt
Was ist All-on-4?festsitzende Brücke auf vier Implantaten pro Kiefer, die hinteren meist schräg gesetzt
Größter Vorteilfeste Zähne ohne Gaumenplatte, oft ohne aufwendigen Knochenaufbau
Haltbarkeitin Langzeitstudien im Unterkiefer gute Implantat-Überlebensraten über zehn Jahre und länger
Häufigste ProblemeReinigung unter der Brücke, Aussprache in den ersten Wochen, Bruch des Provisoriums
Wichtigstes RisikoPeriimplantitis bei unzureichender Pflege oder fehlender Nachsorge
Nicht geeignetu. a. bei unbehandelter Parodontitis, stark eingeschränkter Mundhygiene, bestimmten Medikamenten oder Vorerkrankungen

Was All-on-4 eigentlich ist

Beim All-on-4-Konzept werden in einem zahnlosen Kiefer vier Implantate gesetzt. Die beiden vorderen stehen gerade, die beiden hinteren werden schräg eingebracht. Durch die Neigung können längere Implantate in den vorhandenen Knochen gesetzt werden, und die Brücke bekommt eine breitere Abstützung. Häufig lässt sich so ein Knochenaufbau oder ein Sinuslift vermeiden, der sonst Monate zusätzlich kosten würde.

Wenn die Implantate fest genug im Knochen verankert sind, wird noch am selben Tag oder kurz danach eine provisorische Brücke verschraubt. Nach einigen Monaten der Einheilung folgt die endgültige Brücke. Ausführlich beschreiben wir den Ablauf auf unserer Seite Feste Zähne an einem Tag.

Je nach Kiefer und Knochen planen manche Behandler auch fünf oder sechs Implantate (All-on-6). Das Grundprinzip bleibt gleich: eine verschraubte, festsitzende Brücke statt einer herausnehmbaren Prothese.

Was Patienten typischerweise berichten

Wir zitieren hier keine erfundenen Erfahrungsberichte. Was sich aber in der Fachliteratur und in unserer Praxis immer wieder zeigt, sind diese Punkte:

  • Das Gefühl, wieder richtig abbeißen zu können. Viele frühere Prothesenträger beschreiben den Unterschied als den größten Gewinn: Die Zähne wackeln nicht, nichts verrutscht beim Lachen, Haftcreme ist kein Thema mehr.
  • Mehr Geschmack und weniger Würgereiz im Oberkiefer. Weil die Brücke keine Gaumenplatte braucht, bleibt der Gaumen frei. Das verändert das Essgefühl spürbar.
  • Die ersten Tage sind anstrengend. Schwellungen, Druckgefühl und Blutergüsse sind nach einer Operation an vier Implantaten normal und klingen meist innerhalb von ein bis zwei Wochen ab.
  • Die Eingewöhnung braucht Zeit. Aussprache, Lippenspannung und das Gefühl für die neue Bisshöhe stellen sich über einige Wochen ein.
  • Die Pflege ist aufwendiger als erwartet. Das ist der Punkt, den Patienten am häufigsten unterschätzen.
  • Wie lange hält All-on-4?

    Die bekanntesten Langzeitdaten stammen aus der Arbeitsgruppe um Paulo Maló, die das Konzept entwickelt hat. In einer Studie mit 245 Patienten und 980 Implantaten im Unterkiefer (JADA 2011) lag die kumulative Überlebensrate der Implantate nach bis zu zehn Jahren bei rund 95 Prozent. Spätere Auswertungen derselben Gruppe mit bis zu 18 Jahren Beobachtung bestätigen, dass das Konzept langfristig stabil sein kann.

    Zwei Einschränkungen gehören zur ehrlichen Einordnung dazu:

  • Viele Daten stammen aus spezialisierten Zentren mit sehr erfahrenen Teams und engmaschiger Nachsorge. Unter Alltagsbedingungen können Ergebnisse abweichen.
  • Ein Überleben des Implantats ist nicht dasselbe wie problemlos. Auch ein Implantat, das im Kiefer bleibt, kann zwischendurch eine Entzündung, Knochenabbau oder eine gelockerte Schraube haben, die behandelt werden muss.
  • Für den Oberkiefer sind die Daten ebenfalls gut, die Ausgangslage ist aber oft schwieriger, weil der Knochen weicher ist und die Kieferhöhle wenig Platz lässt. Wie lange Implantate im Oberkiefer generell halten, erklären wir im Beitrag Wie lange halten Implantate im Oberkiefer?.

    Die endgültige Brücke selbst ist ein Verschleißteil wie jeder Zahnersatz. Kunststoffverblendungen können sich abnutzen oder verfärben, Keramik kann abplatzen. Reparaturen sind bei verschraubten Brücken aber meist gut möglich, weil die Zahnärztin die Brücke abnehmen kann.

    Die Nachteile im Detail

    Reinigung unter der Brücke

    Eine All-on-4-Brücke liegt nicht direkt auf dem Zahnfleisch auf, sondern lässt einen schmalen Spalt, damit man darunter reinigen kann. Genau dieser Bereich ist die Schwachstelle: Hier sammeln sich Beläge, die Sie nicht mit der Zahnbürste allein erreichen. Sie brauchen täglich:

  • Interdentalbürsten in passender Größe für die Bereiche um die Implantate,
  • Superfloss oder spezielle Implantat-Zahnseide unter dem Brückenkörper,
  • je nach Situation eine Munddusche als Ergänzung.
  • Dazu kommt die professionelle Nachsorge in der Praxis, je nach Risiko alle drei bis sechs Monate. In größeren Abständen nehmen wir die Brücke ab, reinigen sie und kontrollieren Implantate und Schrauben.

    Periimplantitis

    Periimplantitis ist eine Entzündung des Gewebes um ein Implantat, die bis zum Knochenabbau führen kann. Sie entsteht ähnlich wie Parodontitis an natürlichen Zähnen, vor allem durch bakterielle Beläge. Rauchen, schlecht eingestellter Diabetes und eine frühere Parodontitis erhöhen das Risiko deutlich.

    Bei All-on-4 tragen vier Implantate die gesamte Brücke. Geht eines verloren, muss die Versorgung oft neu geplant werden, etwa mit einem zusätzlichen Implantat. Das ist ein Grund, warum die Nachsorge kein freiwilliges Extra ist, sondern Teil der Behandlung.

    Bruch der provisorischen Brücke

    Die Sofortversorgung am OP-Tag ist in der Regel eine Kunststoffbrücke. Sie ist leichter als die endgültige Brücke und bewusst so gestaltet, dass sie die frisch gesetzten Implantate nicht überlastet. In den ersten Monaten gilt deshalb: weiche Kost, nichts Hartes abbeißen, keine Nüsse, kein hartes Brot. Wer sich nicht daran hält, riskiert einen Bruch des Provisoriums und im schlimmsten Fall eine Überlastung der Implantate in der Einheilphase.

    Aussprache und Luftspalt

    Besonders im Oberkiefer kann es in den ersten Wochen zu einem leichten Zischen oder Pfeifen bei S-Lauten kommen. Ursache ist meist ein kleiner Luftspalt zwischen Brücke und Kiefer. Die Zunge gewöhnt sich in vielen Fällen innerhalb weniger Wochen an die neue Form. Bleibt das Problem bestehen, lässt sich die Form der endgültigen Brücke anpassen.

    Zeitaufwand und Planung

    „An einem Tag" bezieht sich auf die Operation mit der provisorischen Brücke. Davor stehen Beratung, 3D-Diagnostik und Planung, danach Kontrollen und einige Monate später die endgültige Brücke. Insgesamt sollten Sie mit mehreren Monaten bis zur fertigen Versorgung rechnen.

    Kosten

    All-on-4 ist eine Privatleistung. Die gesetzliche Krankenkasse beteiligt sich über den befundbezogenen Festzuschuss, der deutlich geringer ist als die Gesamtkosten. Wie das genau funktioniert, erklären wir im Beitrag All-on-4 und Krankenkasse: Was wird bezuschusst?. Ihre individuellen Kosten klären wir mit einem Heil- und Kostenplan.

    Für wen All-on-4 nicht geeignet ist

    All-on-4 ist keine Lösung für jeden. Zurückhaltend oder gar nicht empfehlen wir das Konzept unter anderem bei:

  • unbehandelter Parodontitis oder aktiven Entzündungen im Mund. Diese müssen vorher behandelt werden.
  • starkem Rauchen. Rauchen erhöht das Risiko für Einheilungsprobleme und Periimplantitis deutlich. Ein Rauchstopp verbessert die Prognose.
  • schlecht eingestelltem Diabetes. Gut eingestellte Diabetiker können in der Regel versorgt werden, der Blutzucker sollte aber stabil sein.
  • Therapie mit bestimmten knochenwirksamen Medikamenten (zum Beispiel Bisphosphonate oder Denosumab, besonders in hoher Dosierung bei Krebserkrankungen) oder nach Bestrahlung im Kopf-Hals-Bereich. Hier ist eine sorgfältige Abwägung mit den behandelnden Ärzten nötig.
  • stark eingeschränkter Fähigkeit zur Mundhygiene, etwa bei fortgeschrittener Demenz oder starker Einschränkung der Hände. Hier ist eine herausnehmbare Versorgung, die sich außerhalb des Mundes reinigen lässt, oft die bessere Wahl.
  • extrem wenig Knochen. Wenn selbst für schräg gesetzte Implantate kein ausreichendes Knochenangebot vorhanden ist, braucht es entweder einen Knochenaufbau oder andere Konzepte. Mehr dazu unter Knochenaufbau für Implantate und im Beitrag Feste Zähne ohne Knochenaufbau.
  • Starkes Zähneknirschen ist kein grundsätzliches Ausschlusskriterium, erfordert aber eine angepasste Planung und oft eine Schutzschiene für die Nacht.

    All-on-4 oder herausnehmbar?

    Nicht jeder, der zahnlos ist, braucht oder möchte eine festsitzende Brücke. Eine Teleskopprothese oder eine Deckprothese auf zwei bis vier Implantaten ist eine solide Alternative, besonders wenn die Reinigung einfach bleiben soll. Einen ausführlichen Vergleich finden Sie im Beitrag All-on-4 oder Teleskopprothese?. Wer heute eine Totalprothese trägt und unzufrieden ist, findet im Beitrag Von der Prothese zu festen Zähnen die verschiedenen Wege im Überblick.

    So holen Sie das Beste aus All-on-4 heraus

  • Lassen Sie sich gründlich untersuchen. Eine 3D-Aufnahme (DVT) zeigt, wie viel Knochen vorhanden ist und wo die Implantate am besten stehen.
  • Klären Sie Ihre Erwartungen. Wie soll das Lächeln aussehen, wie hoch darf die Brücke sein, was ist Ihnen wichtiger: Optik, Kaukomfort oder einfache Pflege?
  • Halten Sie die weiche Kost in der Einheilphase ein. Das ist der wichtigste Beitrag, den Sie selbst zum Erfolg leisten.
  • Nehmen Sie die Nachsorge ernst. Regelmäßige Kontrollen und professionelle Reinigung sind der beste Schutz vor Periimplantitis.
  • Hören Sie mit dem Rauchen auf oder reduzieren Sie es zumindest deutlich.
  • Und wenn die Angst vor der Operation groß ist?

    Eine Operation an vier Implantaten ist ein größerer Eingriff. Viele unserer Patienten entscheiden sich deshalb für einen Dämmerschlaf oder eine Vollnarkose. Wir setzen All-on-4 in unserer Praxis selbst und führen die Behandlung auf Wunsch in Vollnarkose mit einem Fachanästhesisten durch. Mehr dazu auf unserer Seite für Angstpatienten.

    Häufige Fragen

    Wie lange hält eine All-on-4-Versorgung?

    Die Implantate selbst können bei guter Pflege viele Jahre halten. Langzeitstudien im Unterkiefer zeigen Überlebensraten von rund 95 Prozent nach zehn Jahren. Die Brücke ist ein Verschleißteil und muss im Laufe der Jahre eventuell repariert oder erneuert werden.

    Tut die Behandlung weh?

    Während der Operation spüren Sie dank Betäubung keine Schmerzen, auf Wunsch schlafen Sie in Vollnarkose. Danach sind Schwellungen und ein Druckgefühl für einige Tage normal und lassen sich mit Schmerzmitteln gut kontrollieren.

    Kann ich mit All-on-4 alles essen?

    Nach der Einheilung und mit der endgültigen Brücke können die meisten Patienten fast alles essen. In den ersten Monaten mit dem Provisorium ist weiche Kost wichtig, damit die Implantate in Ruhe einheilen.

    Was passiert, wenn ein Implantat verloren geht?

    Das kommt selten vor, ist aber möglich. Je nach Situation wird ein neues Implantat gesetzt und die Brücke angepasst oder neu angefertigt. Regelmäßige Kontrollen helfen, Probleme früh zu erkennen.

    Wie reinige ich eine All-on-4-Brücke?

    Täglich mit Zahnbürste, Interdentalbürsten und Superfloss unter dem Brückenkörper, eventuell ergänzt durch eine Munddusche. Dazu kommen professionelle Reinigungen in der Praxis, bei denen die Brücke in größeren Abständen abgenommen wird.

    Bin ich mit Knochenschwund geeignet?

    Oft ja, denn gerade dafür wurde das Konzept mit schräg gesetzten Implantaten entwickelt. Ob es in Ihrem Fall reicht, zeigt die 3D-Diagnostik. Hintergründe zum Knochenschwund finden Sie im Beitrag Knochenabbau im Kiefer im Alter.

    Persönliche Beratung in München-Oberföhring

    Ob All-on-4 für Sie passt, lässt sich nur nach einer gründlichen Untersuchung mit 3D-Diagnostik beurteilen. Dr. Christina Dickel nimmt sich in der Beratung Zeit für Ihre Fragen, zeigt Ihnen die Alternativen und erstellt einen individuellen Heil- und Kostenplan. Weitere Informationen finden Sie unter Implantologie und Feste Zähne an einem Tag.

    Über den Autor

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    Dr. Christina Dickel

    Zahnärztin mit über 15 Jahren Erfahrung in moderner Zahnmedizin

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