Betäubung beim Zahnarzt: Wie lange hält sie und wann darf ich essen?

Zahnarzt-Betäubung: Dauer, Essen & was schneller hilft

Dr. Christina Dickel
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Inhaltsverzeichnis
  1. Wie lange hält die Betäubung beim Zahnarzt?
  2. Welches Mittel wirkt wie lange?
  3. Oberkiefer oder Unterkiefer: Warum der Unterschied so groß ist
  4. Oberkiefer: Infiltrationsanästhesie
  5. Unterkiefer: Leitungsanästhesie
  6. Intraligamentäre Anästhesie: nur ein Zahn
  7. Wann darf ich nach der Betäubung essen und trinken?
  8. Besondere Vorsicht bei Kindern
  9. Betäubung beim Zahnarzt schneller loswerden: Was hilft wirklich?
  10. Wenn die Betäubung nicht richtig wirkt
  11. Darf ich nach der Betäubung Auto fahren?
  12. Warnzeichen: Wann Sie sich melden sollten
  13. Häufige Fragen
  14. Wie lange hält die Betäubung bei einer Wurzelbehandlung?
  15. Warum ist meine Zunge taub, obwohl unten nur ein Zahn behandelt wurde?
  16. Kann die Betäubung während der Behandlung nachlassen?
  17. Darf ich nach der Betäubung Kaffee trinken?
  18. Ist die Betäubung in der Schwangerschaft erlaubt?
  19. Beratung in München-Oberföhring
  20. Quellen

Die Betäubung beim Zahnarzt hält meist zwei bis fünf Stunden. Schmerzfrei ist der Zahn selbst allerdings nur etwa eine Stunde lang, die taube Lippe oder Wange bleibt deutlich länger. Im Oberkiefer klingt die Wirkung in der Regel früher ab als im Unterkiefer, wo häufig ein ganzer Nerv betäubt wird. Essen sollten Sie erst, wenn das Gefühl vollständig zurück ist.

Auf einen Blick
Schmerzausschaltung am Zahnmeist rund 45 bis 75 Minuten, je nach Präparat
Taubheit von Lippe, Wange, Zungeim Durchschnitt etwa drei bis fünf Stunden
Oberkiefermeist Infiltrationsanästhesie, klingt früher ab
Unterkieferoft Leitungsanästhesie, hält am längsten
Essenerst wenn das Gefühl ganz zurück ist
Zum Zahnarzt, wenndie Taubheit am nächsten Tag noch anhält

Wie lange hält die Betäubung beim Zahnarzt?

Bei einer örtlichen Betäubung (Lokalanästhesie) blockiert das Betäubungsmittel für eine gewisse Zeit die Weiterleitung von Schmerzsignalen in den Nerven. Wie lange das anhält, hängt vor allem von drei Dingen ab: welches Mittel verwendet wurde, ob ein Zusatz von Adrenalin enthalten ist und welche Technik die Zahnärztin gewählt hat.

Dabei lohnt sich eine Unterscheidung, die viele Ratgeber verwischen:

  • Die Schmerzausschaltung am Zahn ist das, was für die Behandlung zählt. Sie hält bei den üblichen Präparaten mit Adrenalinzusatz ungefähr eine Stunde.
  • Die Taubheit im Weichgewebe, also das pelzige Gefühl in Lippe, Wange, Kinn oder Zunge, hält deutlich länger. In Fachveröffentlichungen werden im Durchschnitt drei bis fünf Stunden genannt.
  • Das erklärt, warum Sie nach einer kurzen Füllung noch am Nachmittag mit tauber Lippe herumlaufen können, obwohl die eigentliche Behandlung längst vorbei ist. Das Gewebe braucht schlicht länger, bis das Mittel abtransportiert ist.

    Welches Mittel wirkt wie lange?

    In Deutschland wird in der Zahnarztpraxis am häufigsten Articain eingesetzt. Es gibt dieses Mittel in verschiedenen Stärken, die sich vor allem im Adrenalinanteil unterscheiden. Adrenalin verengt die Blutgefäße an der Einstichstelle. Das Betäubungsmittel wird dadurch langsamer abtransportiert und wirkt länger, außerdem blutet es während der Behandlung weniger.

    Präparat (Beispiel Articain)Typische Behandlungsdauer laut HerstellerWofür meist verwendet
    ohne Adrenalinetwa 20 Minutenkurze Eingriffe, wenn Adrenalin vermieden werden soll
    mit wenig Adrenalin (1:200.000)etwa 45 MinutenFüllungen, Zahnreinigung unter dem Zahnfleisch, Routine
    mit mehr Adrenalin (1:100.000)etwa 75 Minutenchirurgische Eingriffe, Wurzelbehandlungen, längere Sitzungen

    Die Zeiten beschreiben, wie lange die Betäubung für die Behandlung sicher ausreicht. Die Taubheit danach hält bei allen Varianten länger an. Wer zum Beispiel eine Herzerkrankung hat oder bestimmte Medikamente nimmt, bekommt eventuell eine Variante mit wenig oder ohne Adrenalin. Deshalb fragen wir vor jeder Betäubung nach Vorerkrankungen und Medikamenten.

    Oberkiefer oder Unterkiefer: Warum der Unterschied so groß ist

    Oberkiefer: Infiltrationsanästhesie

    Im Oberkiefer ist der Knochen vergleichsweise dünn und porös. Das Betäubungsmittel wird neben dem Zahn unter die Schleimhaut gespritzt und dringt von dort durch den Knochen bis zur Wurzelspitze vor. Diese Infiltrationsanästhesie betäubt den behandelten Zahn, das umliegende Zahnfleisch und meist ein Stück Oberlippe oder Wange. Weil nur ein kleiner Bereich betroffen ist, lässt die Taubheit in der Regel früher nach als im Unterkiefer.

    Unterkiefer: Leitungsanästhesie

    Der Unterkiefer ist vor allem im Bereich der Backenzähne von dickem, festem Knochen umgeben. Dort kommt eine Infiltration oft nicht ausreichend an. Deshalb betäubt die Zahnärztin häufig den Nerv an seinem Eintritt in den Unterkiefer, an der Innenseite des Kieferwinkels. Diese Leitungsanästhesie schaltet die ganze Unterkieferhälfte aus: alle Zähne dieser Seite, Unterlippe, Kinn und meist auch die halbe Zunge.

    Das ist der Grund, warum sich nach einer Behandlung im Unterkiefer oft die halbe Gesichtshälfte fremd anfühlt und die Taubheit am längsten anhält. Für Frontzähne im Unterkiefer und mit Articain reicht teilweise auch eine Infiltration.

    Intraligamentäre Anästhesie: nur ein Zahn

    Bei der intraligamentären Anästhesie wird mit einer sehr feinen Nadel direkt in den Spalt zwischen Zahn und Knochen gespritzt. Betäubt wird nur dieser eine Zahn, Lippe und Zunge bleiben normal. Die Wirkung ist kurz, oft nur etwa 20 bis 30 Minuten. Für kleinere Behandlungen ist das eine gute Option, wenn Sie das lange Taubheitsgefühl stört. Für größere Eingriffe reicht sie meist nicht aus.

    TechnikWo betäubt wirdWie lange es sich taub anfühlt
    Intraligamentärein einzelner Zahnam kürzesten
    Infiltration (meist Oberkiefer)Zahn, Zahnfleisch, Teil der Lippemittel
    Leitungsanästhesie (Unterkiefer)Kieferhälfte, Unterlippe, Kinn, halbe Zungeam längsten

    Wann darf ich nach der Betäubung essen und trinken?

    Die einfache Regel: Essen erst, wenn das Gefühl ganz zurück ist. Solange Lippe, Wange oder Zunge taub sind, merken Sie nicht, wenn Sie sich hineinbeißen. Solche Bissverletzungen sind ärgerlich, schmerzen nach Abklingen der Betäubung deutlich und heilen über mehrere Tage. Auch heiße Speisen und Getränke sind riskant, weil Sie Verbrennungen nicht spüren.

    Praktisch bedeutet das:

  • Direkt nach der Behandlung: Wasser in kleinen Schlucken ist in Ordnung, wenn Sie vorsichtig trinken. Ein Strohhalm oder das Trinken auf der nicht betäubten Seite hilft. Nichts Heißes.
  • Solange noch Restgefühl fehlt: Kein Kaugummi, nichts Festes, kein Kaffee oder Tee in Trinktemperatur. Auch Rauchen sollten Sie verschieben, weil Sie die Glut an der Lippe nicht richtig spüren.
  • Wenn Lippe und Zunge sich wieder normal anfühlen: Sie dürfen essen. Nach einer Füllung aus Kunststoff ist die Füllung in der Regel sofort belastbar. Nach einer Zahnentfernung oder Operation gelten die zusätzlichen Hinweise, die Sie in der Praxis bekommen.
  • Wenn Sie wissen, dass Sie nach dem Termin lange nichts essen können, essen Sie vorher in Ruhe etwas. Für eine reine örtliche Betäubung müssen Sie nicht nüchtern sein. Anders ist es bei Dämmerschlaf oder Vollnarkose.

    Besondere Vorsicht bei Kindern

    Kinder kauen oder lutschen gern an der tauben Lippe, oft aus Neugier, weil sich das Gefühl so seltsam anfühlt. Dabei entstehen schnell Bisswunden, die am nächsten Tag geschwollen sind und wie eine Entzündung aussehen. Behalten Sie Ihr Kind nach dem Termin im Blick, bis die Betäubung nachgelassen hat, und geben Sie ihm in dieser Zeit nichts zu essen. Mehr zur Behandlung der Kleinen finden Sie in unserer Kinderzahnheilkunde.

    Betäubung beim Zahnarzt schneller loswerden: Was hilft wirklich?

    Viele Tipps aus dem Internet versprechen, die Taubheit schneller zu vertreiben: Wärme, Massage, Bewegung, Kaffee. Für keinen dieser Tricks gibt es einen verlässlichen Beleg. Das Betäubungsmittel wird über das Blut abtransportiert und in der Leber abgebaut. Dieser Prozess lässt sich zu Hause nicht nennenswert beschleunigen. Wärme auf die Wange zu legen ist außerdem nach chirurgischen Eingriffen ungünstig, weil sie Schwellungen fördern kann.

    Es gibt ein Medikament, das die Taubheit im Weichgewebe verkürzen kann: den Wirkstoff Phentolamin, der nach der Behandlung an dieselbe Stelle gespritzt wird. Er erweitert die Gefäße, sodass das Betäubungsmittel schneller abfließt. Das bedeutet allerdings eine zweite Injektion, und das Mittel ist für Kinder unter sechs Jahren nicht zugelassen. In deutschen Praxen ist es keine Routine. Wenn Ihnen die lange Taubheit ein echtes Problem bereitet, sprechen Sie das vor der Behandlung an.

    Oft lässt sich das Problem besser im Vorfeld lösen:

  • eine Variante mit weniger Adrenalin, wenn die Behandlung kurz ist,
  • eine intraligamentäre Anästhesie für einzelne Zähne,
  • Termine so legen, dass keine wichtige Besprechung oder Mahlzeit direkt danach ansteht.
  • Wenn die Betäubung nicht richtig wirkt

    Manchmal spüren Sie trotz Spritze noch etwas. Das passiert vor allem bei stark entzündeten Zähnen. Entzündetes Gewebe ist sauer, und in saurer Umgebung wirken Betäubungsmittel schlechter. Auch eine ungewöhnliche Lage der Nerven kann dazu führen, dass eine Leitungsanästhesie nicht vollständig greift.

    Wichtig ist dann nur eines: Sagen Sie es. Die Zahnärztin kann nachspritzen, die Technik wechseln oder ergänzen. Niemand muss eine Behandlung „aushalten". Vereinbaren Sie vorher ein Stoppzeichen, etwa die erhobene Hand. Wer schon schlechte Erfahrungen mit Spritzen gemacht hat, findet Hilfe im Beitrag Angst vor der Spritze beim Zahnarzt.

    Darf ich nach der Betäubung Auto fahren?

    Eine reine örtliche Betäubung schränkt die Fahrtüchtigkeit in der Regel nicht ein, denn sie wirkt nur im Mund und nicht im Kopf. Es gibt kein gesetzliches Fahrverbot. Sie sind aber selbst dafür verantwortlich, sich fit zu fühlen. Wer nach der Behandlung zittrig ist, Herzklopfen hat oder einen längeren Eingriff hinter sich hat, wartet besser eine Weile oder lässt sich abholen.

    Anders sieht es aus, wenn zusätzlich beruhigende Verfahren eingesetzt wurden:

  • Nach einer Lachgas-Sedierung sind Sie meist nach kurzer Erholungszeit wieder alltagstauglich. Wir sagen Ihnen, ab wann Sie fahren dürfen.
  • Nach Dämmerschlaf oder Vollnarkose ist Autofahren am selben Tag tabu, und Sie brauchen eine Begleitperson.
  • Warnzeichen: Wann Sie sich melden sollten

    Die meisten Nebenwirkungen einer örtlichen Betäubung sind harmlos und kurz. Direkt nach der Spritze kann das Herz für einige Minuten schneller schlagen, ausgelöst durch das Adrenalin oder die Aufregung. Nach einer Leitungsanästhesie kann die Einstichstelle ein bis zwei Tage druckempfindlich sein, gelegentlich lässt sich der Mund etwas schwerer öffnen. Beides bessert sich von selbst.

    Melden Sie sich in der Praxis, wenn:

  • die Taubheit am nächsten Tag noch anhält oder ein Kribbeln, Brennen oder pelziges Gefühl in Lippe, Kinn oder Zunge bleibt. Selten wird ein Nerv durch die Injektion gereizt. Meist bildet sich das zurück, es sollte aber untersucht und dokumentiert werden.
  • die Mundöffnung nach einigen Tagen nicht besser, sondern schlechter wird.
  • eine Bissverletzung an Lippe oder Wange stark anschwillt oder eitert.
  • Sofort ärztliche Hilfe brauchen Sie bei Atemnot, Schwellung im Gesicht oder Hals, großflächigem Ausschlag oder Kreislaufproblemen. Das können Zeichen einer allergischen Reaktion sein, die sehr selten vorkommt. Außerhalb unserer Sprechzeiten finden Sie Hilfe über den zahnärztlichen Notdienst in München, bei Atemnot wählen Sie den Notruf 112.

    Häufige Fragen

    Wie lange hält die Betäubung bei einer Wurzelbehandlung?

    Für eine Wurzelbehandlung wird meist ein Präparat mit mehr Adrenalin gewählt, damit die Betäubung für die gesamte Sitzung reicht. Danach bleibt die Taubheit oft noch einige Stunden, vor allem im Unterkiefer. Wie die Behandlung selbst abläuft, lesen Sie im Beitrag Wurzelkanalbehandlung: Ablauf.

    Warum ist meine Zunge taub, obwohl unten nur ein Zahn behandelt wurde?

    Bei der Leitungsanästhesie im Unterkiefer liegt der Zungennerv direkt neben dem Nerv für die Zähne. Er wird meist mitbetäubt. Das ist normal und klingt zusammen mit der restlichen Betäubung ab.

    Kann die Betäubung während der Behandlung nachlassen?

    Ja, bei sehr langen Sitzungen ist das möglich. Die Zahnärztin kann dann nachspritzen. Sagen Sie Bescheid, sobald Sie wieder etwas spüren, statt die Zähne zusammenzubeißen.

    Darf ich nach der Betäubung Kaffee trinken?

    Erst wenn das Gefühl in Lippe und Zunge zurück ist. Heißer Kaffee kann die taube Schleimhaut verbrühen, ohne dass Sie es merken. Lauwarm und vorsichtig aus der Tasse ist nach einer kurzen Behandlung im Oberkiefer meist früher möglich als nach einer Leitungsanästhesie im Unterkiefer.

    Ist die Betäubung in der Schwangerschaft erlaubt?

    Örtliche Betäubungen sind auch in der Schwangerschaft und Stillzeit möglich und oft sinnvoller, als eine notwendige Behandlung unter Schmerzen zu verschieben. Teilen Sie uns die Schwangerschaft mit, damit wir Mittel und Dosis passend wählen.

    Beratung in München-Oberföhring

    Wenn Sie die lange Taubheit stört oder Sie Angst vor der Spritze haben, sprechen Sie uns vor der Behandlung darauf an. In unserer Praxis in München-Oberföhring wählen wir die Betäubung passend zur Behandlung aus und erklären vorher, was Sie danach erwartet. Für Menschen mit starker Anspannung bieten wir Lachgas, Dämmerschlaf und Vollnarkose an, mehr dazu auf der Seite Behandlung von Angstpatienten. Wie ausgeprägt Ihre Angst ist, können Sie vorab mit unserem Zahnarztangst-Test einschätzen.

    Quellen

  • Liebaug F.: Phentolaminmesilat zur Verkürzung der Gewebeanästhesie. ZWP online, 2013. https://www.zwp-online.info/fachgebiete/oralchirurgie/anaesthesie/phentolaminmesilat-zur-verku-rzung-der-gewebeana-sthesie
  • ZWP online: Angaben zu Articain-Präparaten (Wirkdauer laut Fachinformation), 2021. https://www.zwp-online.info/zwpnews/dental-news/branchenmeldungen/hoechst-bewahrt-seit-45-jahren
  • Dr. med. dent. Christina Dickel

    Dr. med. dent. Christina Dickel

    Zahnärztin und Inhaberin der Praxis in München-Oberföhring. Sie setzt Implantate selbst, versorgt zahnlose Kiefer mit festen Zähnen an einem Tag und behandelt Angstpatienten auf Wunsch mit Lachgas, im Dämmerschlaf oder in Vollnarkose.

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