Zahnstein entfernen: Warum nicht selbst und wie es beim Zahnarzt abläuft

Zahnstein entfernen: selbst oder beim Zahnarzt?

Dr. Christina Dickel
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Inhaltsverzeichnis
  1. Was ist Zahnstein und wie entsteht er?
  2. Zahnstein über und unter dem Zahnfleisch
  3. Warum Zahnstein entfernt werden muss
  4. Kann man Zahnstein selbst entfernen?
  5. Zahnsteinkratzer und Heim-Ultraschallgeräte
  6. Hausmittel: Natron, Zitrone, Essig und Co.
  7. Was zu Hause tatsächlich hilft
  8. Zahnstein entfernen beim Zahnarzt: so läuft es ab
  9. Tut Zahnstein entfernen weh?
  10. Nach der Zahnsteinentfernung
  11. Zahnsteinentfernung oder professionelle Zahnreinigung?
  12. Was zahlt die Krankenkasse?
  13. Wie oft sollte Zahnstein entfernt werden?
  14. Zahnstein vorbeugen
  15. Häufige Fragen
  16. Kann sich Zahnstein von selbst lösen?
  17. Warum habe ich trotz guter Pflege Zahnstein?
  18. Wie lange dauert es, bis neuer Zahnstein entsteht?
  19. Ist ein Zahnsteinradierer aus der Drogerie sinnvoll?
  20. Wird bei der Zahnsteinentfernung der Zahnschmelz beschädigt?
  21. Kann Zahnstein Zähne lockern?
  22. Beratung in München-Oberföhring
  23. Quellen

Zahnstein lässt sich nicht wegputzen und sollte auch nicht selbst abgekratzt werden. Er ist verkalkter Zahnbelag, der so fest am Zahn haftet, dass nur Ultraschall oder spezielle Handinstrumente ihn sicher lösen. Beim Zahnarzt dauert das meist nur wenige Minuten und ist kaum unangenehm. Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt die Entfernung einmal pro Kalenderjahr. Mit guter Zahnpflege bildet sich deutlich weniger neuer Zahnstein.

Auf einen Blick
Was ist Zahnstein?verkalkte Plaque, mineralisiert durch den Speichel
Selbst entfernen?nein, Verletzungsgefahr für Zahnfleisch und Zahnschmelz
Wie beim Zahnarzt?Ultraschall und Handinstrumente, danach Politur
Daueroft wenige Minuten, bei viel Zahnstein länger
Kasseeinmal pro Kalenderjahr, bei Pflegegrad zweimal
Vorbeugengründlich putzen, Zahnzwischenräume reinigen, regelmäßige Kontrollen

Was ist Zahnstein und wie entsteht er?

Zahnstein beginnt als weicher Zahnbelag, die Plaque. Das ist ein klebriger Film aus Bakterien, Speiseresten und Speichelbestandteilen, der sich jeden Tag neu auf den Zähnen bildet. Wird die Plaque nicht gründlich entfernt, lagern sich Mineralien aus dem Speichel darin ein, vor allem Kalziumphosphate. Der Belag verhärtet und wird zu Zahnstein. Was den Unterschied genau ausmacht, erklären wir im Beitrag Zahnstein und Plaque: der Unterschied.

Zahnstein entsteht besonders schnell dort, wo viel Speichel fließt:

  • an der Innenseite der unteren Schneidezähne, weil darunter die Ausführungsgänge der Unterzungen- und Unterkieferspeicheldrüsen liegen,
  • an der Außenseite der oberen Backenzähne, gegenüber der Mündung der Ohrspeicheldrüse.
  • Wie schnell und wie viel Zahnstein sich bildet, ist von Mensch zu Mensch sehr verschieden. Die Zusammensetzung des Speichels spielt eine Rolle, ebenso Rauchen, Mundtrockenheit, schwer zu reinigende Stellen wie eng stehende Zähne oder Kronenränder und natürlich die Putztechnik. Manche Menschen putzen sorgfältig und haben trotzdem schnell wieder Zahnstein. Das ist kein Zeichen von schlechter Pflege, sondern oft Veranlagung.

    Zahnstein über und unter dem Zahnfleisch

    Zahnärzte unterscheiden zwei Formen:

  • Supragingivaler Zahnstein sitzt sichtbar oberhalb des Zahnfleischrands. Er ist meist gelblich bis bräunlich, bei Rauchern und Tee- oder Kaffeetrinkern auch dunkler.
  • Subgingivaler Zahnstein, auch Konkrement genannt, liegt unter dem Zahnfleisch in den Zahnfleischtaschen. Er ist dunkler, härter und von außen nicht zu sehen. Er entsteht meist erst, wenn das Zahnfleisch bereits entzündet ist.
  • Warum Zahnstein entfernt werden muss

    Zahnstein selbst ist nicht das Problem, sondern was sich auf ihm ansiedelt. Seine Oberfläche ist rau und porös. Bakterien finden dort ideale Bedingungen und lassen sich mit der Zahnbürste nicht mehr erreichen. Die Folgen:

  • Zahnfleischentzündung (Gingivitis): Das Zahnfleisch rötet sich, schwillt an und blutet beim Putzen. Mehr dazu im Ratgeber Zahnfleischentzündung.
  • Parodontitis: Bleibt die Entzündung bestehen, kann sie auf den Zahnhalteapparat übergreifen. Es bilden sich Zahnfleischtaschen, der Knochen um den Zahn baut sich ab, und im schlimmsten Fall lockern sich Zähne.
  • Mundgeruch: Bakterien auf und unter dem Zahnstein bilden übelriechende Schwefelverbindungen.
  • Verfärbungen: Zahnstein nimmt Farbstoffe aus Kaffee, Tee, Rotwein und Tabak besonders leicht auf.
  • Kann man Zahnstein selbst entfernen?

    Die ehrliche Antwort: Nein, jedenfalls nicht sicher und nicht vollständig. Im Internet werden Zahnsteinkratzer, Heim-Ultraschallgeräte, Zahnsteinradierer und Hausmittel angeboten. Davon raten wir ab, und zwar aus konkreten Gründen.

    Zahnsteinkratzer und Heim-Ultraschallgeräte

    Die Instrumente, die Zahnärzte verwenden, sind fein geschliffen und werden mit einer bestimmten Haltung und Winkelung geführt. Ohne Übung und ohne direkten Blick in den Mund, bei Ihnen nur über einen Spiegel, passiert leicht Folgendes:

  • Verletzungen des Zahnfleischs, die bluten, sich entzünden oder zu Zahnfleischrückgang führen,
  • Kratzer im Zahnschmelz und an freiliegenden Zahnhälsen, an denen sich neue Beläge noch schneller festsetzen,
  • Beschädigung von Füllungen, Kronenrändern und Veneers,
  • unvollständige Entfernung: Die sichtbaren Teile sind weg, der Zahnstein am Zahnfleischrand und darunter bleibt. Die Entzündung geht weiter, nur unbemerkt,
  • Infektionen durch nicht sterile Instrumente.
  • Hausmittel: Natron, Zitrone, Essig und Co.

    Säurehaltige Mittel wie Zitronensaft oder Essig können Zahnstein zwar anlösen, greifen aber den Zahnschmelz genauso an. Der Schaden am Zahn ist dauerhaft, der Zahnstein bildet sich neu. Natron und Backpulver wirken über Abrieb und schleifen eher Zahnschmelz ab, als festen Zahnstein zu lösen. Öle wie Kokos- oder Teebaumöl haben gegen bereits verhärteten Zahnstein keine belegte Wirkung.

    Was zu Hause tatsächlich hilft

    Zu Hause können Sie verhindern, dass Plaque überhaupt zu Zahnstein wird. Weiche Beläge lassen sich mit der Zahnbürste, Zahnseide und Zwischenraumbürstchen entfernen. Sobald der Belag hart ist, gehört er in die Praxis.

    Zahnstein entfernen beim Zahnarzt: so läuft es ab

  • Kontrolle: Die Zahnärztin sieht sich Zähne und Zahnfleisch an. Bei Erwachsenen wird alle zwei Jahre zusätzlich ein kurzer Parodontitis-Check gemacht, der Parodontale Screening-Index (PSI). Dabei wird mit einer feinen, stumpfen Sonde gemessen, wie tief die Zahnfleischtaschen sind.
  • Ultraschall: Ein Ultraschallgerät mit einer feinen Spitze versetzt den Zahnstein in schnelle Schwingungen und sprengt ihn ab. Gleichzeitig spült ein Wasserstrahl die Reste weg und kühlt. Das Gerät brummt, Sie spüren ein Vibrieren und manchmal ein Kribbeln an empfindlichen Zahnhälsen.
  • Handinstrumente: Mit feinen Scalern und Küretten werden Reste an schwer erreichbaren Stellen, etwa zwischen den Zähnen, gezielt entfernt.
  • Glätten: Die Zahnoberflächen werden kontrolliert und bei Bedarf geglättet, damit sich neuer Belag schlechter festsetzt.
  • Bei einer reinen Zahnsteinentfernung ist der Termin oft nach wenigen Minuten erledigt. Bei sehr viel Zahnstein oder empfindlichem Zahnfleisch kann es länger dauern oder auf zwei Termine verteilt werden.

    Tut Zahnstein entfernen weh?

    Meist nicht. Die meisten Patienten empfinden es als ungewohnt, aber nicht schmerzhaft. Unangenehm kann es an freiliegenden Zahnhälsen oder bei entzündetem Zahnfleisch werden, das leichter blutet. In solchen Fällen kann der Bereich mit einem Gel oder einer kleinen Spritze betäubt werden. Wenn Sie Angst vor der Behandlung haben, sagen Sie es uns vorher. Es gibt Wege, die Sitzung ruhiger zu gestalten, bis hin zur Behandlung für Angstpatienten.

    Nach der Zahnsteinentfernung

  • Die Zähne fühlen sich glatter, aber manchmal auch „lückiger" an. Das liegt daran, dass der Zahnstein Zwischenräume ausgefüllt hat.
  • Zahnhälse können für einige Tage empfindlich auf Kaltes oder Süßes reagieren. Eine Zahnpasta für empfindliche Zähne hilft. Weitere Tipps im Beitrag Was hilft bei empfindlichen Zähnen.
  • Leichtes Zahnfleischbluten in den ersten Tagen ist normal und lässt nach, wenn sich das Zahnfleisch beruhigt. Putzen Sie weiter gründlich, auch an blutenden Stellen.
  • Zahnsteinentfernung oder professionelle Zahnreinigung?

    Beides wird oft verwechselt, ist aber nicht dasselbe:

    ZahnsteinentfernungProfessionelle Zahnreinigung (PZR)
    Was wird entfernt?harte Beläge oberhalb des Zahnfleischsharte und weiche Beläge, Verfärbungen, auch in Zwischenräumen und am Zahnfleischrand
    Umfanggezielt, kurzgründliche Reinigung aller Zahnflächen
    Politur und Fluoridmeist nichtja
    Putzberatungkurzausführlich, mit Anfärben der Beläge
    Kasseeinmal pro Kalenderjahrin der Regel Privatleistung, manche Kassen geben einen Zuschuss

    Die Zahnsteinentfernung ist sozusagen die Grundversorgung. Die professionelle Zahnreinigung geht deutlich weiter und ist besonders sinnvoll bei Neigung zu Zahnfleischentzündungen, bei Implantaten, Kronen und Brücken oder wenn Sie schnell Zahnstein bilden. Ob sich das für Sie lohnt, besprechen wir im Beitrag Professionelle Zahnreinigung: ja oder nein?

    Was zahlt die Krankenkasse?

    Gesetzlich Versicherte haben Anspruch auf eine Entfernung harter Zahnbeläge einmal pro Kalenderjahr. Wer einen Pflegegrad hat oder Eingliederungshilfe bekommt, hat Anspruch auf eine Entfernung einmal pro Kalenderhalbjahr, weil die eigene Mundpflege oft eingeschränkt ist.

    Die Kassenleistung umfasst den Zahnstein oberhalb des Zahnfleischs. Liegt Zahnstein in tiefen Zahnfleischtaschen, ist das meist ein Zeichen für eine Parodontitis. Dann reicht eine einfache Zahnsteinentfernung nicht. Die Behandlung läuft über die systematische Parodontitistherapie nach der Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses. Sie wird vorher bei der Kasse beantragt und umfasst unter anderem die Reinigung der Wurzeloberflächen in den Taschen. Mehr zu diesem Ablauf auf unserer Seite zur Parodontologie.

    Bei privat Versicherten richtet sich die Erstattung nach dem Tarif, die Zahnsteinentfernung ist aber in der Regel enthalten.

    Wie oft sollte Zahnstein entfernt werden?

    Eine feste Regel für alle gibt es nicht. Für viele Erwachsene reicht die jährliche Entfernung bei der Kontrolle. Wer schnell Zahnstein bildet, Zahnfleischprobleme hat, raucht oder Implantate trägt, profitiert von kürzeren Abständen, zum Beispiel einer professionellen Zahnreinigung zusätzlich zur Kassenleistung. Wie wir den passenden Abstand festlegen, steht im Beitrag Prophylaxe beim Zahnarzt: wie oft?

    Zahnstein vorbeugen

  • Zweimal täglich putzen, zwei Minuten lang, mit fluoridhaltiger Zahnpasta. Achten Sie besonders auf den Zahnfleischrand und die Innenseiten der unteren Frontzähne.
  • Zahnzwischenräume täglich reinigen, mit Zahnseide oder passenden Zwischenraumbürstchen. Dort setzt sich die meiste Plaque fest. Eine Anleitung finden Sie unter Zahnseide richtig anwenden.
  • Elektrische Zahnbürste erwägen, wenn Sie mit der Handzahnbürste nicht alle Stellen erreichen. Wichtig ist die Technik, nicht nur das Gerät.
  • Zahnpasta mit Zahnsteinschutz: Pasten mit Zusätzen wie Pyrophosphaten oder Zinkverbindungen können die Neubildung von Zahnstein bremsen. Vorhandenen Zahnstein lösen sie nicht.
  • Rauchen reduzieren oder aufgeben. Rauchen begünstigt Zahnstein, Verfärbungen und Parodontitis.
  • Regelmäßig zur Kontrolle, damit Zahnstein entfernt wird, bevor er Schaden anrichtet.
  • Wenn Sie wissen möchten, ob Ihre Putztechnik passt, lassen Sie sie bei der nächsten Kontrolle zeigen. Hilfreich ist auch unser Beitrag Wie putze ich meine Zähne richtig?

    Häufige Fragen

    Kann sich Zahnstein von selbst lösen?

    Manchmal bricht ein Stück Zahnstein ab, etwa beim Essen. Das ist aber kein Zeichen, dass er verschwindet. Der Rest bleibt haften, und es bildet sich neuer. Eine Zahnsteinentfernung ersetzt das nicht.

    Warum habe ich trotz guter Pflege Zahnstein?

    Die Neigung zu Zahnstein hängt stark von der Zusammensetzung Ihres Speichels ab. Manche Menschen bilden auch bei sehr guter Mundhygiene schnell Zahnstein. Dann helfen kürzere Abstände zwischen den Reinigungen und eine Zahnpasta mit Zahnsteinschutz.

    Wie lange dauert es, bis neuer Zahnstein entsteht?

    Weicher Belag kann bereits nach wenigen Tagen bis Wochen zu verkalken beginnen, wenn er nicht entfernt wird. Wie schnell sich sichtbarer Zahnstein bildet, ist individuell sehr verschieden.

    Ist ein Zahnsteinradierer aus der Drogerie sinnvoll?

    Für verhärteten Zahnstein nicht. Solche Radierer wirken über Abrieb und erreichen weder den Zahnfleischrand noch die Zwischenräume. Häufiges Rubbeln kann den Zahnschmelz und freiliegende Zahnhälse schädigen.

    Wird bei der Zahnsteinentfernung der Zahnschmelz beschädigt?

    Nein, bei fachgerechter Anwendung nicht. Ultraschallspitzen und Handinstrumente sind so geformt und werden so geführt, dass der Zahnstein gelöst und die Zahnoberfläche geschont wird. Gerade deshalb sollte die Entfernung in geübten Händen liegen.

    Kann Zahnstein Zähne lockern?

    Nicht direkt. Aber die Bakterien auf dem Zahnstein können eine Parodontitis auslösen oder verstärken, und die führt über den Knochenabbau zu lockeren Zähnen. Wenn Ihr Zahnfleisch oft blutet oder Zähne beweglich wirken, sollten Sie das abklären lassen.

    Beratung in München-Oberföhring

    Zahnstein zu entfernen gehört zu unserer jährlichen Kontrolle. Wenn Sie schnell Zahnstein bilden oder Ihr Zahnfleisch häufig blutet, empfehlen wir Ihnen gern einen passenden Abstand für die Prophylaxe. Mehr zu unserem Vorsorgekonzept finden Sie auf der Seite Prophylaxe in München-Oberföhring. Termine vereinbaren Sie online über Doctolib oder telefonisch, Montag bis Donnerstag von 8 bis 19 Uhr und freitags von 8 bis 13 Uhr.

    Quellen

  • KZBV: Einheitlicher Bewertungsmaßstab für zahnärztliche Leistungen (BEMA), Nr. 107 und 107a. https://www.kzbv.de/aub/kzbv-bema-kurz-2023-07-01.download.cd6295216d694fb8cb30829e067949d2.pdf
  • G-BA: Richtlinie zur systematischen Behandlung von Parodontitis (PAR-Richtlinie). https://www.g-ba.de/themen/zahnaerztliche-versorgung/parodontalerkrankungen/
  • Barmer: Zahnstein – entstehen, entfernen, vorbeugen. https://www.barmer.de/gesundheit-verstehen/zahngesundheit/zahnstein-1067298
  • Dr. med. dent. Christina Dickel

    Dr. med. dent. Christina Dickel

    Zahnärztin und Inhaberin der Praxis in München-Oberföhring. Sie setzt Implantate selbst, versorgt zahnlose Kiefer mit festen Zähnen an einem Tag und behandelt Angstpatienten auf Wunsch mit Lachgas, im Dämmerschlaf oder in Vollnarkose.

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