Zahnwechsel bei Kindern: Reihenfolge, Zeitplan & was normal ist

Zahnwechsel bei Kindern: Reihenfolge & Tabelle (6–12 Jahre)

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Der erste Wackelzahn kommt bei den meisten Kindern um den sechsten Geburtstag – meist sind es die unteren mittleren Schneidezähne, die sich als Erste lockern. Von da an läuft der Zahnwechsel bis etwa zum zwölften Lebensjahr: 20 Milchzähne gehen, 28 bleibende Zähne kommen. Welcher Zahn wann dran ist, sehen Sie in der Tabelle – und was davon wirklich normal ist, erklären wir darunter.

Bleibender ZahnErsetztTypischer Durchbruch
Erster großer Backenzahn („6-Jahr-Molar")keinen Milchzahn – kommt hinter den Milchzähnen dazu6.–7. Lebensjahr
Mittlere Schneidezähne untenmittlere Milchschneidezähne unten6.–7. Lebensjahr
Mittlere Schneidezähne obenmittlere Milchschneidezähne oben7.–8. Lebensjahr
Seitliche Schneidezähneseitliche Milchschneidezähne7.–9. Lebensjahr
Erster kleiner Backenzahn (Prämolar)erster Milchbackenzahn9.–11. Lebensjahr
EckzahnMilcheckzahn9.–12. Lebensjahr
Zweiter kleiner Backenzahn (Prämolar)zweiter Milchbackenzahn10.–12. Lebensjahr
Zweiter großer Backenzahn („12-Jahr-Molar")keinen Milchzahn – kommt hinten dazu11.–13. Lebensjahr

Der Unterkiefer ist dem Oberkiefer meist einen kleinen Schritt voraus. Und wichtig vorweg: Diese Zeiträume sind Durchschnittswerte, kein Stundenplan.

Wie der Zahnwechsel abläuft

Unter jedem Milchzahn liegt im Kiefer schon die Anlage des bleibenden Zahns. Er wächst langsam nach oben und drückt dabei gegen die Wurzel des Milchzahns. Die Wurzel löst sich Schritt für Schritt auf, der Milchzahn verliert Halt, beginnt zu wackeln und fällt schließlich aus – darunter zeigt sich meist schon die Spitze des Nachfolgers.

Deshalb tut ein ausgefallener Milchzahn auch kaum weh: Er hat zum Zeitpunkt des Verlusts fast keine Wurzel mehr. Eine kleine Blutung ist normal und stoppt von allein oder mit kurzem Beißen auf ein sauberes Taschentuch.

Der 6-Jahr-Molar: der Zahn, den fast alle übersehen

Der erste bleibende Zahn ist bei den meisten Kindern kein Schneidezahn, sondern ein großer Backenzahn – und sein Durchbruch geht komplett ohne Wackelzahn vonstatten. Der 6-Jahr-Molar bricht um den sechsten Geburtstag hinter dem letzten Milchbackenzahn durch, ganz hinten in der Zahnreihe. Weil dafür kein Milchzahn ausfällt, halten viele Eltern ihn für einen weiteren Milchzahn – oder bemerken ihn gar nicht.

Das ist problematisch, denn dieser Zahn ist aus zwei Gründen besonders kariesgefährdet:

  • Seine Kaufläche hat tiefe Grübchen und Rillen (Fissuren), in denen sich Belag festsetzt und die mit der Zahnbürste schwer zu erreichen sind.
  • Sein Zahnschmelz ist direkt nach dem Durchbruch noch nicht voll ausgehärtet und damit empfindlicher gegen Säure.
  • Dazu kommt: Der Zahn sitzt so weit hinten, dass Kinder ihn beim Putzen gern auslassen. Schauen Sie ab dem sechsten Lebensjahr regelmäßig einmal selbst in den Mund Ihres Kindes – die 6-Jahr-Molaren erkennen Sie als größere, breitere Zähne hinter der bisherigen Zahnreihe. Diese vier Zähne müssen ein Leben lang halten und verdienen ab dem ersten Tag volle Pflege. Ein wirksamer Schutz ist die Fissurenversiegelung, bei der wir die tiefen Grübchen mit einem dünnen Kunststoff verschließen; für die ersten bleibenden Backenzähne ist das ab dem sechsten Lebensjahr Kassenleistung im Rahmen der individuellen Prophylaxe.

    Was ist normal – und was nicht?

    Kinder haben beim Zahnwechsel ihr eigenes Tempo. Als Faustregel gilt: Abweichungen von bis zu einem Jahr nach vorne oder hinten sind normal und kein Grund zur Sorge. Häufig steckt dahinter ein einfaches Muster: Kamen die ersten Milchzähnchen spät, kommt meist auch der erste Wackelzahn spät.

    Auch diese Situationen sind in der Regel harmlos:

  • Doppelte Zahnreihe („Haifischzähne"): Der bleibende Schneidezahn bricht hinter dem Milchzahn durch, obwohl der noch fest sitzt. Das sieht wild aus, ordnet sich aber meist von selbst: Sobald der Milchzahn fällt, schiebt die Zunge den neuen Zahn an die richtige Stelle.
  • Lücke zwischen den oberen Schneidezähnen: Ein sichtbarer Spalt zwischen den neuen mittleren Schneidezähnen ist ein normales Zwischenstadium. Er schließt sich meist von allein, wenn die Eckzähne durchbrechen und die Frontzähne zusammenschieben.
  • Neue Schneidezähne wirken riesig und gelblich: Bleibende Zähne sind größer als Milchzähne und von Natur aus etwas gelblicher, weil ihre Dentinschicht kräftiger durchschimmert. Der Unterschied fällt nur neben den kleinen, hellen Milchzähnen so stark auf.
  • Wann Sie mit Ihrem Kind zum Zahnarzt sollten

    Vieles regelt sich beim Zahnwechsel von selbst. In diesen Situationen sollten wir aber einmal nachschauen:

  • Bleibender Zahn durchgebrochen, Milchzahn wackelt nicht: Wenn der Milchzahn nach vier bis sechs Wochen immer noch bombenfest sitzt und den neuen Zahn am Einordnen hindert, entfernen wir ihn kurz und schmerzarm.
  • Starke Schmerzen, Schwellung oder Eiter: Der Durchbruch selbst tut kaum weh. Pochende Schmerzen, eine dicke Wange oder Eiter am Zahnfleisch sind kein normales Wechsel-Symptom – hier kann sich ein Milchzahn entzündet haben.
  • Unfall: Ein gelockerter, verschobener oder ausgeschlagener Zahn nach Sturz oder Schlag gehört immer zügig in zahnärztliche Hände – auch bei Milchzähnen, denn die Anlage des bleibenden Zahns liegt direkt darunter.
  • Deutlich verspäteter Wechsel: Wenn Ihr Kind fast acht ist und noch kein einziger Zahn wackelt, lohnt ein Kontrolltermin. Mit einer kleinen Röntgenaufnahme prüfen wir, ob alle bleibenden Zähne im Kiefer angelegt sind.
  • Sehr früher Wackelzahn: Lockert sich ein Zahn mit vier Jahren oder früher – ohne dass ein Wechsel zu erwarten wäre –, sollten wir Karies oder eine Unfallfolge ausschließen.
  • Pflege während des Zahnwechsels

    Das Wechselgebiss ist eine Mischung aus kleinen Milchzähnen und großen neuen Zähnen auf unterschiedlichen Höhen – für die Mundhygiene eine knifflige Phase:

  • Zahnpasta: Ab dem sechsten Lebensjahr empfehlen wir eine Junior- oder Erwachsenenzahnpasta mit 1.450 ppm Fluorid. Sie härtet den noch weichen Schmelz der neuen Zähne nach. (Vorher: 1.000 ppm ab dem ersten Milchzahn.)
  • Nachputzen: Kinder schaffen es motorisch erst mit etwa neun Jahren, wirklich alle Flächen selbst zu reinigen. Bis dahin gilt: abends nachputzen, besonders hinten bei den neuen Backenzähnen.
  • Zahnhäute beim Durchbruch: Drückt es beim Durchbrechen, helfen ein gekühlter (nicht gefrorener) Beißring oder eine sanfte Massage des Zahnfleischs mit dem sauberen Finger.
  • Zwischenräume: Sobald die neuen Zähne eng nebeneinanderstehen, gehört Zahnseide oder eine kleine Interdentalbürste ins Abendprogramm.
  • Regelmäßige Kontrolle: Halbjährliche Vorsorgetermine sind für Kinder Kassenleistung. Dabei versiegeln wir auf Wunsch die Fissuren der 6-Jahr-Molaren und behalten den Wechsel im Blick. Mehr dazu auf unserer Seite zur Kinderzahnheilkunde und zur Prophylaxe.
  • Wackelzahn ziehen – ja oder nein?

    Kurzfassung: Nein, nicht selbst ziehen. Ein Milchzahn darf von allein fallen oder so locker sein, dass er beim Wackeln mit Zunge oder Finger fast von selbst herausgeht. Was Sie nicht tun sollten: der klassische Faden an der Türklinke oder ein Ruck am kaum gelockerten Zahn. Sitzt der Zahn noch an Wurzelresten fest, ist das schmerzhaft und blutet unnötig stark.

    Ermutigen Sie Ihr Kind stattdessen, selbst mit der Zunge oder sauberen Fingern am Zahn zu rütteln – Kinder spüren genau, wie weit sie gehen können. Ein Zahn darf übrigens wochenlang wackeln, das ist völlig normal. Die ausführliche Antwort mit allen Details – ab wann ein Zahn wackelt, wie lange das dauern darf und wann wir in der Praxis nachhelfen – finden Sie in unserem Artikel: Wackelzahn: Ab wann wackeln Milchzähne?.

    Häufige Fragen zum Zahnwechsel

    Ab wann wackelt der erste Zahn?

    Meist um den sechsten Geburtstag. Als Erste lockern sich typischerweise die unteren mittleren Schneidezähne. Ein Jahr früher oder später ist normal – entscheidend ist nicht der Kalender, sondern dass der bleibende Zahn dahinter nachwächst.

    Welche Milchzähne fallen zuerst aus?

    Die unteren mittleren Schneidezähne, gefolgt von den oberen mittleren. Danach kommen die seitlichen Schneidezähne. Eckzähne und Milchbackenzähne sind mit neun bis zwölf Jahren die Letzten.

    Mein Kind ist sieben und hat noch keinen Wackelzahn – normal?

    In der Regel ja. Bis zu einem Jahr Verzögerung gegenüber dem Durchschnitt kommt häufig vor, besonders wenn auch die ersten Milchzähnchen spät kamen. Ist Ihr Kind fast acht und es rührt sich nichts, schauen wir bei einem Kontrolltermin per Röntgenbild nach, ob alle bleibenden Zähne angelegt sind.

    Wackelzahn mit vier Jahren – geht das?

    Ein echter Zahnwechsel mit vier Jahren ist sehr ungewöhnlich. Lockert sich ein Zahn so früh, steckt häufig etwas anderes dahinter: ein Unfall, seltener Karies mit Entzündung an der Wurzel. Das sollten wir uns zeitnah ansehen.

    Wann fällt der letzte Milchzahn aus?

    Meist sind es die zweiten Milchbackenzähne oder die oberen Eckzähne, die sich zwischen dem zehnten und zwölften Lebensjahr verabschieden. Mit etwa zwölf bis dreizehn Jahren ist das bleibende Gebiss mit 28 Zähnen vollständig – bis auf die Weisheitszähne, die frühestens ab 17 dazukommen können.

    Wie lange darf ein Zahn wackeln?

    Mehrere Wochen sind normal. Die Wurzel löst sich langsam auf, das braucht Zeit. Wenn ein Zahn über viele Wochen gleich stark wackelt und nicht lockerer wird – oder darunter schon der neue Zahn durchbricht –, schauen wir ihn uns an.

    Warum sieht das Gebiss meines Kindes gerade so uneben aus?

    Im Wechselgebiss stehen kleine, helle Milchzähne neben großen, gelblichen bleibenden Zähnen, dazu Lücken und schräg durchbrechende Schneidezähne. Diese Übergangsphase sieht bei fast allen Kindern wild aus und verwächst sich in den meisten Fällen von selbst. Wir beobachten die Entwicklung bei den Kontrollterminen – zeichnet sich eine echte Fehlstellung ab, sagen wir es Ihnen frühzeitig.

    Ihr nächster Schritt

    Wenn Sie unsicher sind, ob der Zahnwechsel Ihres Kindes im Plan läuft, oder wenn die neuen Backenzähne geschützt werden sollen: In unserer Praxis in Oberföhring nehmen wir uns Zeit für Ihr Kind – ohne Druck und ohne Eile. Buchen Sie Ihren Termin direkt über unseren Online-Terminkalender.

    Schlagwörter

    #Kinder

    Über den Autor

    CD

    Dr. Christina Dickel

    Zahnärztin mit über 15 Jahren Erfahrung in moderner Zahnmedizin

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